Soli- & Spendenaufruf von Michael Zobel für Eckhardt Heukamps Prozesskosten

Eckhardt Heukamp, Eigentümer des letzten großen Hofes in Lützerath, hat sich nach langen Überlegungen dazu entschlossen, mit einer Klage gegen den Grundabtretungsbeschluss/die Enteignung seines Besitzes juristisch vorzugehen. Die Klage ist sehr gut begründet und Herr Heukamp ist bereit, konsequent gegen seine Zwangs-Enteignung zu kämpfen.
Es gibt keine energiewirtschaftliche Notwendigkeit für die Zerstörung der sechs Dörfer.
Selbst bei einer weitgehenden Erfüllung der bereits genehmigten Rahmen- und Hauptbetriebspläne kann Lützerath erhalten bleiben.
Wir haben Eckhardt zugesichert, dass wir ihm den Rücken für die bervorstehenden Auseinandersetzungen vor Gericht stärken werden, nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch. Denn er geht diesen Weg stellvertretend für die anderen Dörfer am Tagebau Garzweiler, stellvertretend für die vielen Menschen, die sich nicht aus ihrer Heimat vertreiben lassen wollen.
Die Prozesse werden Geld kosten, eventuell auch viel Geld. Seit wenigen Tagen existiert ein entsprechendes Spendenkonto, ich setze auf breite Unterstützung der großen Klimabewegung.
Spendenkonto zur Unterstützung von Eckardt Heukamp im Zwangsenteignungsverfahren Heukamp ./. NRW:

DE63 3106 0517 6008 4590 43

Kohle für Kurts Klima-Klage

Kurt, Klimakämpfer am #HambiBleibt, hat jetzt ein Grundstück zwischen den RWE-Baggern und #Lützerath erworben und RWE schockiert.
Denn damit hat seine Klage gegen den Tagebau Garzweiler eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit. Wenn er die ersten juristischen Hürden nimmt und der Grundstückserwerb nicht vom Amtsgericht für nichtig erklärt wird.
Damit die Bagger nicht weiter auf #Lützerath vorrücken können und wir eine Chance auf die 1,5°C Grenze behalten, braucht es eine solidarische Spendensammlung für die juristische Auseinandersetzung:

Auch kleine Beiträge oder ein monatlicher Dauerauftrag helfen. Danke!

Kontoinhaber: Kurt Claßen
Verwendungszweck: Lützerath bleibt – Zum Wohle der Allgemeinheit
IBAN: DE22 3705 0299 1147 0393 73
BIC: COKSDE33XXX
Bank: Kreissparkasse Köln

Hintergrund:

https://fffutu.re/rwe-stoppen

Ansichten aus Lützerath: „Dieses Loch verschluckt sogar unsere Schreie!“

CN: In diesem Text wird der ableistische Ausspruch eines Polizisten zitiert, der in Lützerath für Bestürzung gesorgt hat – und für viele Fragezeichen. Danke an die beiden Verfasserinnen, dass sie uns an ihren Erlebnissen aus Lützerath, an ihrer so unterschiedlichen und letztlich gleichermaßen schmerzerfüllten Sichtweise und an ihrer Verletzlichkeit teilhaben lassen. Auch Sprache kann Gewalt sein – und nachhaltiger schmerzen als ein Fußtritt!

Danke an Ron Weimann für die ausdrucksstarken Fotos!

 

K: Ich war heute in Lützerath, aber es gibt wenig zu berichten.

I: Ich muss leider berichten, dass es nicht so ruhig war, wie K. schreibt.

K: Die Bagger haben das Haus neben dem Junkerhof weiter abgerissen, die Security stand rum und hat gefroren, die Polizei stand auch rum, hatte schlechte Laune und hat außer der Presse keinen durchgelassen. Ich hab das kleine Kreuz geholt und mich auf die Straße gestellt. Es gab viel Staub, und die Atmosphäre der totalen Zerstörung, die ein Fotograf mit „Endlösung“ betitelte, ist etwas, woran sich wohl jeder nur schwer gewöhnen kann. Das ist schon verrückt, wie seelenruhig die Polizisten da stehen und die braven Bürger bewachen, während hinter ihnen krachend die Welt untergeht. Nach und nach kamen ein paar Aktivisti dazu und haben Fußball gespielt, wie sich herausstellte: als Vorbereitung für eine Aktion. Aber zuerst haben die Polizisten ein paarmal mitgekickt, und die Securities auch. Auf unserer Seite Freude über so viel „Menschlichkeit“.

I: Ich war eben in der Nähe der Lützerather Bushaltestelle, als, während eines Aktivisti-Fußballspiels auf der Straße, zwei oder drei Aktivisti versuchten, über die Abzäunung zu gelangen, und auch rapp-zapp „Team Blau“ in einer Stärke von mindestens dreißig und einige Securities dies verhindern konnten und ein Gerangel der Polizisten auch mit den übrigen Aktivisti begann. Ich war Augen- und Ohrenzeuge geworden, als Mensch an dem mit Klettverschluss befestigtem Polizei-Emblem am Uniform-Oberarm hängenblieb und dieses danach halb lose hing und der Polizist ihn anschnauzte: „Ey, bist Du behindert?!“ – Ich bin daraufhin sofort laut verbal dazwischengefahren und hab ihn mindestens fünf Minuten immer wieder mit seiner Aussage konfrontiert und dass er (vor allem als Beamter) für solch eine diskriminierende Äußerung mal bitte sofort hier vor Ort Stellung beziehen solle. Er hat versucht sich in die Reihe zurückzuziehen, hat dann auch endlich seinen MNS angezogen, und es war ihm durch mein penetrantes verbales „Dranbleiben“ dann wohl irgendwann zuviel und er hat sich hinter die Mannschaftswagen verkrümelt.

K: Das alles ging sehr schnell und war vorbei, bevor ich auch nur mein Handy zücken konnte. Die Polizisten haben die Aktivisti vom Zaun gepflückt und waren wenig zimperlich. Die Aktivisti wurden getrennt und Polizistinnen traten dazwischen, so dass man nur noch einen jungen Mann sehen konnte. Er fragte, auf welcher Rechtsgrundlage er hier abgeführt werde. Der Polizist hat nicht einmal geantwortet. Danach haben sie sich ziemlich seelenruhig ihr Mittagessen abgeholt. Das alles ist so sehr Alltag des Widerstands gegen RWE und gegen die Vernichtung der Braunkohlegebiete, dass es mir kaum ein Wort wert zu sein schien, zu oft habe ich das schon erlebt. Ich komme aus einem gewalttätigen Elternhaus und kann Gewalt sehr schlecht sehen. Gewalt lähmt mich umfassend und macht mich stumm. Den Ausspruch „Ey, bist du behindert?“ habe ich nicht selbst gehört, nur I’s Reaktion mitbekommen. Ich habe ihr einige Male die Hand auf den Rücken gelegt, um sie zu beruhigen und zu erden. Aber sie war so aufgebracht, dass sie es nicht wahrgenommen hat. Sie war den Tränen nahe.

I: Mein immer wiederholtes Nachfragen nach dem Einsatzleiter bzw. dem Kommunikationsbeamten blieb sehr lange ungehört – aber irgendwann stand dann ein älterer Polizeibeamter vor mir.

K: Ein älterer Polizist hat ihr angeboten, vom Ort des Geschehens wegzugehen und mit ihr zu reden. Man konnte förmlich sehen, wie er seine Schulung „Umgang mit schwierigen Bürgern“ auspackte. Aber I. war ganz auf den Polizisten konzentriert, der diesen Ausspruch getan hatte. Vielleicht hat sie das Angebot gar nicht mitbekommen. So was ist auch nicht echt. Die unterhalten sich freundlich mit dir und im nächsten Augenblick schlagen sie freundlich zu. Das kenne ich auch schon.

I: Da auch mit ihm kein „Ausräumen und Klarstellung“ zum besagten Ausspruch des Untergebenen möglich war, habe ich alle „Spalierstehenden“ nochmal lautstark beschworen, dieses Problem doch auch mal in den eigenen Reihen zum Gesprächsthema zu machen, und als Schluss-Satz blieb mir dann nur, der ganzen Truppe nochmal mitzugeben, dass SIE („TEAM BLAU“) es sind, die uns (auch durch solche Aussprüche) radikalisieren.

K: Da hat sie Recht. Das wollte ich dem Polizisten auch sagen. Die ganze Geschichte meines Widerstandes schoss mir durch den Kopf. Aber dann dachte ich mir, es hat keinen Zweck, dem Polizisten das zu erklären, dass gerade die Polizeigewalt zum Widerstand führt. Er hätte es eh nicht verstanden. Gegen drei Uhr bin ich dann gefahren – mit einem schmerzhaften Gefühl der Vergeblichkeit meines Tuns und der Scham darüber, dass ich vor der Gewalt in die Knie gehe, statt aufzustehen. Wir alle und ich alte Frau insbesondere, weil keinerlei Gefahrenpotential verkörpernd, sind der Polizei so egal wie eine Wolke am Himmel.

I: Ich hab dann nicht den Weg genommen, den der Polizei-Mannschaftsführer mir gewiesen hatte, um den Ort zu verlassen, sondern bin hinten weg über Eckardts Wiese erstmal zur Mahnwache, hab mein vorher bereits entzündetes Kerzenlicht bei Maria besucht und bin dann Richtung Mordor geradelt um da mal vier laute Schreie loszuwerden und mich mal richtig auszuweinen. Und selbst da hätte ich mir gewünscht, meine Schreie wären nachgeklungen. NEIN; dieses Loch verschluckt sogar unsere Schreie. Und als ich dann abends vor der Telko, dies erzählte und dann von K. mir anhören musste, dass solche Sprüche doch zur Normalität gehören, da fing ich wirklich an zu zweifeln, ob ICH ALLEINE im FALSCHEN FILM bin?!? Wofür gehen wir als KiDl [Initiative ‚Die Kirche(n) im Dorf lassen‘] denn auf die Straße? – frag ich mich da im Ernst // Ist es nicht GENAU JETZT AN DER ZEIT, all diese lebensverachtenden Strukturen auf breiter Front zu bearbeiten und auch aufs Tapet zu bringen?

K: Die Bilder und die Schreie waren ziemlich überwältigend. Ich hatte Mühe mit dem Straßenverkehr und konnte nicht schlafen. Immer wieder sah ich den jungen Mann, sein Ringen um Würde dort unten im Straßenschmutz, und hörte, wie unglaublich aggressiv der Polizist ihn anbrüllte. All diese Zerstörung, diese Gewalt – wofür?! Was macht das – mit uns allen?! Als I. abends davon berichtete, dachte ich nur noch, ‚in der Schule höre ich das zehnmal am Tag‘. Ich hatte keine Kraft mehr, mich gegen den Polizisten zu wehren, und habe seinen Spruch einfach hingenommen. Aber sie hat schon Recht: Es ist ein Unterschied, ob das Kinder sagen oder Erwachsene. Sie ist nicht im falschen Film. Es ist die Polizei, die die die Bürger und die Benachteiligten gegen Gewalt schützen sollte, statt selbst in Wort und Tat Gewalt zu sein.

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Gottesdienst in Lützerath am Tagebau Garzweiler durch massiven Polizeieinsatz behindert / Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei Aachen

Erkelenz-Lützerath. (Pressemitteilung.) Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ feierte heute mit ca. 80 Menschen in Lützerath am Tagebau Garzweiler einen Gottesdienst, während die RWE power AG Gebäude in dem noch bewohnten Dorf abreißen ließ. Die Abrissarbeiten wurden begleitet durch ein Großaufgebot von Werkschutz und einer Einsatzhundertschaft der Polizei.
„Als sich eine Gruppe überwiegend junger KlimaaktivistInnen diesem Gottesdienst, die von uns ausdrücklich eingeladen waren, mit vorgetragenem Transparent anschlossen, drangen PolizistInnen von zwei Seiten in die Gottesdienstgemeinde ein. Wir sind bestürzt über diesen Verlauf des heutigen Gottesdienstes,“ berichtet Dr. Anselm Meyer-Antz von „Die Kirche(n) im Dorf lassen“.

Die Theologin Cornelia Senne wurde kurz nach ihrer Predigt von Polizisten umringt, gestoßen und wiederholt auf den Rücken geschlagen. Anderen TeilnehmerInnen erging es ähnlich, sie konnten sich nur mit Mühe auf den Beinen halten. Die Gottesdienstgemeinde wurde schließlich durch eine doppelte Polizeikette getrennt. Die Initiative forderte mehrfach erfolglos eine Erklärung des Einsatzleiters für diese Maßnahme und den Abzug der Polizeikette. Erst nach einer knappen halben Stunde konnte der Gottesdienst fortgesetzt werden.
„Wir protestieren entschieden gegen einen solchen polizeilichen Eingriff in einen Gottesdienst. Der verantwortliche Polizeidirektor Hoff des Polizeipräsidiums Aachen muss diesen Verstoß gegen die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Religionsausübung umgehend erklären“, so Renate Jansen von „Die Kirche(n) im Dorf lassen“.
Dr. Anselm Meyer-Antz betonte: „Die Zerstörung des Ortes Lützerath durch von RWE power beauftragte Firmen ist die Fortsetzung einer zukunftslosen und gefährlichen Klimapolitik, wogegen wir als christliche ökumenische Initiative regelmäßig zu Gottesdiensten vor Ort aufrufen, um uns so bewusst und aktiv mit religiösen Gesängen, Symbolen und Gebeten für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.“
Angesichts der Sinnlosigkeit der Dörferzerstörung, die zuletzt wieder durch das vom Bundeswirtschaftsministerium unter Verschluss gehaltene Gutachten belegt wurde, ist die massive polizeiliche Repression und das Vorgehen gegen den Gottesdienst unverständlich.

Kontakt: die-kirchen-im-dorf-lassen@t-online.de

Twitter: @Kirche_an_Kante (dort auch Bild- und Videomaterial abrufbar)

Weitere Infos: www.kirchen-im-dorf-lassen.de

Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ kämpft für den Erhalt der bedrohten Kirchen im Rheinischen Braunkohlerevier und betrachtet diesen Einsatz als untrennbar verbunden mit dem Kampf für globale Klimagerechtigkeit.