„Hier stehen wir – und könnten anders“: Gottesdienste an der Kante am Aktionswochenende 25. bis 27. September

Umfangreiches Programm von „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ an der Mahnwache Lützerath

Am letzten September-Wochenende wird es vielfältige Proteste gegen den lebensfeindlichen Tagebau Garzweiler geben, u.a. demonstrieren die „Fridays for Future“ gemeinsam mit „Alle Dörfer bleiben“, auch das Bündnis „Ende Gelände“ hat Aktionen zivilen Ungehorsams angekündigt – um nur diese zu nennen. Auch wir beteiligen uns an diesen Aktionstagen für weltweite Klimagerechtigkeit mit einem umfangreichen Programm – in unseren eigenen Formen des Widerstands. Damit wollen wir allen, die sich an den Demonstrationen oder Aktionen zivilen Ungehorsams aus den unterschiedlichsten Gründen nicht beteiligen können, eine Möglichkeit bieten, aktiv und gemeinschaftlich Solidarität mit den Aktivist*innen zu üben: Hier stehen wir – und könnten anders!

Am Samstagabend beginnen wir mit einer katholischen Messe, in der christliche Positionen zu zivilem Ungehorsam thematisiert werden. Es schließt sich eine Liturgische Nachtwache an („Bleibet hier“ II), in der wir uns in Gebeten, Liedern und Texten solidarisch mit den denjenigen verbinden, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Blockade, im Kessel oder in Polizeigewahrsam befinden. Jede und jeder bleibt, solange es passt, kann kommen und gehen – und wiederkommen. Denn am Sonntagmorgen gibt es – angeboten von „Alle Dörfer bleiben“ – ein offenes gemeinsames Frühstück, zu dem alle herzlich eingeladen sind. Den Abschluss bildet ein weiterer Gottesdienst um 11 Uhr.

 

Argumente für die Überwindung der Ohnmacht

von Dorothee Sölle

Wir sind unterwegs in größerer Hoffnung
Wir haben den längeren Atem
zu uns gehören die Empfindsamen und Unruhigen
Und die nicht verbittern in traurigen Erfahrungen
Und die hierbleiben
nicht weggehen
wohin die Sonne untergeht
noch wegtreten nach innen
die aber erleben wollen
die menschliche Gemeinschaft
wo ausstrahlt das Licht
Bei uns hat schon mal einer
alle geladen zum Fest.

 

Praktisches

Das Erreichen der Mahnwache (Infos & Anfahrt hier) wird an diesem Wochenende sicherlich erschwert werden. Rechtlich muß aber allen der Zugang – mit „zumutbarem“ Fußweg – gewährt werden. Probleme bitte unter 015201339091 melden.

Wenn möglich Sitzgelegenheit mitbringen, für die Nachtwache Essen und Trinken sowie warme und regenfeste Kleidung. Und natürlich halten wir Abstand!

Aktuelle Infos oder Änderungen unter Die Kirche(n) im Dorf lassen.de oder @Kirche_an_Kante.

 

Unser Programm im Überblick:

Samstag, 26. 9.

18 Uhr: Messe

anschließend: Liturgische Nachtwache

Sonntag, 27. 9.

ab 9 Uhr: offenes gemeinsames Frühstück

11 Uhr: Abschluss-Gottesdienst
 

Petition & Plakataktion: Keine Entwidmung der Garzweiler-Kirchen!

(Pressemitteilung.) Die Initiative ‚Die Kirche(n) im Dorf lassen‘ reagiert nun mit einer Plakataktion im Raum Aachen, Düren, Heinsberg und Mönchengladbach sowie einer Unterschriften-Petition auf die zunehmende Bedrohung der Dörfer am Rand des Tagebau Garzweiler durch den Braunkohleabbau. Der Braunkohlebagger steht 200m vor Erkelenz-Keyenberg, und RWE nutzt die Corona-Krise, um weiter Fakten zu schaffen, indem der Abriss der Dörfer vorangetrieben wird. Gerade in dieser Situation brauchen Menschen die Kirche an ihrer Seite. Aber die Kirchen von Keyenberg und Kuckum sowie die Kapelle in Berverath wurden bereits an RWE verkauft. Dies geschah gegen den erklärten Willen Tausender, die den Erhalt der Kirchen wünschen. Jetzt drohen Schließung, Entwidmung und Abriss.

„Als Initiative ‚Die Kirche(n) im Dorf lassen‘ setzten wir dem entgegen: Kirchen sind wichtige Orte von Gemeinschaft, Erinnerung und Zuversicht. Deshalb braucht es dringend eine verbindliche Zusage vom Bistum Aachen, dass die Kirchen im Braunkohlerevier nicht entwidmet werden. Vielmehr sollten wir als ChristInnen jetzt jene Menschen unterstützen, die für den Erhalt der Dörfer kämpfen und damit auch grundsätzlich für Klimagerechtigkeit und Widerstand gegen die Umweltzerstörung einstehen“, so Dr. Julia Lis, Theologin im Institut für Theologie und Politik in Münster und Aktive bei der Initiative ‚Die Kirche(n) im Dorf lassen‘. „Wir haben nun eine Petition ins Leben gerufen, damit möglichst viele sich diesem Protest und dem Appell an die Deutsche Bischofskonferenz sowie das Bistum Aachen anschließen – nicht nur durch ihre Unterschrift.“

Auf den Plakaten wird der schmerzende Gegensatz zwischen einer Sicherheit und Zuversicht bietenden Kirche und dem Anblick ihrer Zerstörung in aller Deutlichkeit sichtbar. Sie weisen auf die Tragweite der von Seiten der katholischen Kirche vollzogenen Aufgabe der Kirchen und Dörfer hin, mit der eine langfristige Fortsetzung des Kohleabbaus in Kauf genommen wird. „Wir hoffen, dass die katholischen Bischöfe in Aachen und Köln ihre große Chance erkennen, in Zeiten schwindender Glaubwürdigkeit und allgemeiner Verunsicherung mit einer eindeutigen Positionierung für den Erhalt unserer Schöpfung wieder zu einem Rückhalt im Leben der Menschen zu werden“, so Reinhard Noffke, Engagierter bei ‚Die Kirche(n) im Dorf lassen‘. „Es geht nicht um die monetäre Vergütung von Kirchenimmobilien, sondern um den Schutz unserer Lebensgrundlagen, den Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato Si` eindringlich angemahnt hat.“

 

Herzliche Ostergrüße von den Menschen am Rand des Tagebaus

Wir leben auf Ostern zu, und dürfen uns nicht besuchen. Die Messfeiern fallen aus. Das hinzunehmen ist schwer. Für die Bewohner der Dörfer am Tagebaurand ist das noch schmerzlicher, weil die Tage ihrer Kirchen in Keyenberg, Kuckum und Berverath gezählt sein könnten.

Wir alle sind im Ungewissen und hoffen doch zugleich gegen das drohende Verhängnis an. Inzwischen überragt der Bagger die Spitze des Keyenberger Kirchturms und lässt ihn als unbedeutend erscheinen. Die Tore der Kirche sind auch tagsüber geschlossen, als sei sie keinen Besuch mehr wert.

Wir hoffen auf Ostern! Wir hoffen darauf, dass Herz und Vernunft der Verantwortlichen bewegt werde und dass sie auf die Auferstehung Jesu Christi mit einem Lobgesang antworten:

Lob und Dank dafür, dass wir leben!

Lob und Dank für dieses einzigartige Erbe der Christenheit bei uns!

Wir grüßen Sie und Euch und alle Menschen der Region: Lumen Christi!

 

Lutz Dittmar / Die Kirche(n) im Dorf lassen