Der Sternmarsch: Die erste selbst organisierte ADb-Demo wird ein großer Erfolg

Der Sternmarsch am 23. März 2019, Video, Fotos und Texte.

Video

Fotos

Texte

+ Das Manuskript der gemeinsamen Rede von Antje Grothus und Elisabeth Hoffmann-Heinen:
Widerstand und Engagement von früher trifft auf Widerstand und Engagement heute – Vom Tagebau Garzweiler betroffene Anwohnerin trifft auf vom Tagebau Hambach betroffene Anwohnerin

Elisabeth: Ich bin Elisabeth Hoffmann-Heinen, habe 45 Jahre in Wanlo gewohnt und war Lehrerin am Berufskolleg in Grevenbroich .
Anfang der 1980er Jahre bin ich in den Widerstand gegen damals Rheinbraun gegangen, weil mein Heimatdorf Wanlo zusammen mit zahlreichen anderen Dörfern im Tagebaugebiet Garzweiler II durch den Bergbautreibenden plattgemacht werden sollte.
Ich wurde Vorsitzende der Dorfinteressengemeinschaft Wanlo und Mitglied der Vereinten Initiativen gegen Garzweiler II. Wir haben gemeinsam für die Menschen, für den Erhalt unserer Heimat gekämpft. Fast 10 Jahre war ich dafür viele Abende und nahezu jedes Wochenende unterwegs. Ich wusste, dass wir Betroffenen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen mussten, denn Politiker agierten wie Fähnchen im Wind, und Städte und Kommunen waren – und sind es noch heute – Aktionäre bei RWE und da ist der Profit wichtiger als der Schutz der betroffenen Menschen und ihrer Heimat.
So wurde ich eine erbitterte Kämpferin gegen Rheinbraun und RWE und ihre Machenschaften. Ich bin es noch heute und bin stolz darauf.
Ich habe das Gefühl, dass gerade im Augenblick den politisch Verantwortlichen mehr und mehr der gesunde Menschenverstand abhanden zu kommen droht. Menschenvertreibung und Klimaverseuchung ohne Notwendigkeit – wie will man das mit gesundem Menschenverstand erklären?
Haben die Verantwortlichen von RWE einen solchen je besessen?

Antje: Fast 40 Jahre später: nix dazugelernt auf Seiten von RWE und der mit dem Kohlekonzern eng verbundenen Kommunen und Regierungen. Warum auch? Das System NRWE funktioniert immer noch! In vorauseilendem Gehorsam gegenüber RWE lässt die NRW-Landesregierung vollkommen unnötig und überflüssig den Hambacher Wald räumen, gefährdet Menschenleben und setzt Menschen auf allen Seiten traumatischen Erfahrungen aus. Und traut sich auch noch, nach Bekanntwerden der Gerichtsentscheidung und des Rodungsstopps bekannt zu geben:
„Die Landesregierung hat stets auf den Vorbehalt der Gerichtsentscheidung zur Rodung verwiesen …“
Und was ist nun mit dem Vorbehalt des Kohleausstieges? Weder in Hambach noch hier am Tagebau Garzweiler handelt die Landesregierung vorausschauend, deeskalierend und gestaltend. Wir beobachten durchgängig dieses menschen- und naturverachtende Verhalten, diese Ungerechtigkeiten im Umgang mit betroffenen Menschen, seien es Bergbaugeschädigte, seien es Tagebaurandbetroffene, seien es Landwirte und Gewerbetreibende, seien es Umsiedler, die umsiedeln möchten, seien es solche, die in ihrem alten Dorf bleiben möchten, oder solche, denen keine adäquaten Umsiedlungsalternativen angeboten werden können.
Diese Ungerechtigkeiten lassen auch mir keine Ruhe mehr, und auch ich bin oft Tag und Nacht für unsere gemeinsame Sache unterwegs: seit fast 13 Jahren aktiv als Hambachfrau, habe die Initiative Buirer für Buir mitbegründet, habe mich organisiert und vernetzt.
Die Verflechtung des Energiekonzerns mit den Kommunen, mit Politiker*innen – all die Ungerechtigkeiten und die Ungleichbehandlung waren Auslöser, die zu meinem Engagement geführt haben. Deshalb bin auch ich unterwegs im Einsatz für den Erhalt unserer Lebensqualität, die massiv gefährdet ist; hier und weltweit.

Elisabeth und Antje: Deshalb wollen wir, dass ALLE DÖRFER BLEIBEN!
UND: wir wollen, dass alle DÖRFER LEBENSWERT BLEIBEN!

Elisabeth: Wir haben schon damals erlebt, mit welchen Mitteln Rheinbraun und RWE arbeiten. Schon Jahre bevor der Tagebau Garzweiler II genehmigt war, versetzte Rheinbraun die Menschen hier in Angst und Schrecken. Ihre Lebensqualität verschlechterte sich und durch das aggressive Auftreten des Bergbautreibenden entstand ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit.

So wurden in den Dörfern Verkaufsbüros von Rheinbraun errichtet.
So wurde die Bevölkerung gespalten in solche Bürger, die schnell verkaufen wollten, weil sie mit überzogenen Kaufangeboten von Rheinbraun gefügig gemacht wurden und in solche, die diesen Verlockungen widerstanden und bereit waren zu kämpfen.
So vergab Rheinbraun gezielt zahlreiche Ausbildungs- und Arbeitsplätze an Dorfbewohner in der betroffenen Region.
So finanzierte Rheinbraun Schützenfeste und Vereinsveranstaltungen, um sie zu unterwandern.
So verschickte Rheinbraun Bürgerbriefe und Broschüren, in denen die Vertreibung und Rekultivierung verherrlicht wurden.
So unterwanderte und störte Rheinbraun 1989 auch die von den Vereinten Initiativen mit großen persönlichen Mühen und mit großer Leidenschaft durchgeführte Großveranstaltung „Verheizte Heimat“. Das Unternehmen schickte dafür zahlreiche Busse mit Rheinbraun-Mitarbeitern, die dafür eine Feierschicht erhielten. Von ihrem Arbeitgeber brachten sie den Slogan mit: „Umsiedeln ist schön, jeder sollte es in seinem Leben einmal mitgemacht haben.“
Antje: So war es damals, und so ist es immer noch!
Hinzugekommen sind vom Kohlekonzern und vereinzelten Gewerkschaftsgruppierungen unterstütze Hetze in den sozialen Netzwerken, die so zu asozialen Netzwerken degenerieren. Verbale Brandstiftung, die zur realen Brandstiftung wird, wenn bei uns in Buir das als Bündnismobil von der Mahnwache genutzte Feuerwehrauto der Brandstiftung zum Opfer fällt, wenn Hetzplakate im Dorf auftauchen, wir Drohanrufe erhalten und wenn im Rahmen einer IGBCE-Mahnwache, anknüpfend an Elisabeths Stichwort Feierschicht oder Freischicht, Gewerkschafter Demos vor Privathäusern anzetteln, wohlwollend begleitet von der Polizei.
Wenn RWE sagt: „Umsiedeln ist schön, jeder sollte es in seinem Leben einmal mitgemacht haben“
Dann entgegnen wir dem:
Fridays For Future, Fackelketten, Rote Linien gegen Kohle, Demos für das Klima, Waldspaziergänge, Sternmärsche … das, liebe klimabewegte Mitstreiterinnen und Mitstreiter, das, sollte jeder in seinem Leben einmal mitgemacht und unterstützt haben.
Oder noch besser: das, sollte jeder in seinem Leben mehrfach mitgemacht und unterstützt haben.
Denn: zivilgesellschaftliches Engagement und solidarisches Miteinander: Das lohnt sich! Das sollte jeder in seinem Leben mitmachen!
Über 100.000 Menschen, die Einsatzkräfte der Polizei im Übrigen nicht mitgezählt, waren allein im Zeitraum zwischen September und November letzten Jahres rund um den Hambacher Wald unterwegs. Noch heute kommen mir vor Rührung und Dankbarkeit die Tränen, wenn ich daran zurückdenke. All diesen Menschen, euch, ist es zu verdanken, dass im Bericht der Kohlekommission der Erhalt des Waldes als wünschenswert bezeichnet wird. Und im Übrigen nicht nur bis 2020, wie Herr Laschet mit RWE verhandelt hat, sondern dauerhaft. Und da frage ich mich: warum hat Armin Laschet mit RWE nicht über den Erhalt der Dörfer gesprochen? Er hatte doch im November in Kuckum versprochen sich um die Anliegen der Anwohner*innen zu kümmern.
Und wann endlich löst die Landesregierung ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag ein. Dort steht: „Wir wollen die Rechte der Bergbaubetroffenen schützen!

Elisabeth: Damit nicht genug – so hatte Rheinbraun schon im Vorfeld den jungen Fachanwalt, den unsere Initiative für unseren Kampf gewinnen konnte, – nennen wir es einmal – „abgeworben“. Na wie wohl…?!?
So versuchte einer der Bergbaudirektoren, dem unsere Veranstaltung anscheinend imponierte, mir eine Stelle in der PR-Abteilung des Unternehmens anzubieten.
Ich bin ehrlich – nur meine gute Erziehung hat mich damals davon abgehalten, ihm eine Ohrfeige zu verpassen.
Sie sehen, wir kennen unseren Gegner und seine Machenschaften; sie haben sich bis heute noch verfeinert.
Ich frage mich also: Wer hat die Vorgänge im Hambacher Forst provoziert ,und wieso echauffiert RWE sich eigentlich über das, was dort geschieht?
Uns hat der Widerstand in Hambach erst recht motiviert; seit Hambi haben wir wieder Mut zu kämpfen und mit uns tausende Menschen und jeden Tag werden es mehr. Wir lassen uns nicht spalten.

Antje und Elisabeth: ALLE DÖRFER BLEIBEN und HAMBI BLEIBT!!!

Elisabeth: Doch mit dem Freibrief, den RWE bisher hatte, damit, liebe Mitkämpfer und Unterstützer und natürlich auch RWE-Agenten, die sicherlich heute unter uns weilen, muss jetzt Schluss sein – endgültig.
Ich rufe RWE ins Gedächtnis:
Sie hatten mehr als 40 Jahren Zeit, Alternativen zur Energiegewinnung zu entwickeln und damit Arbeitsplätze umzustrukturieren und zu erhalten.
Ich habe Verständnis für die Gefühlslage der RWE-Mitarbeiter, aber sie sollten heute nicht gegen uns arbeiten, sondern gegen ihren eigenen Arbeitgeber protestieren, der durch seine verantwortungslose Energiepolitik der letzten Jahrzehnte jetzt ihre Arbeitsplätze gefährdet.
Aber RWE hat diese Zeit vergeudet, hat die Chance vertan, weil die Devise lautete: „Augen zu und durch.“ Natürlich wusste RWE, dass die politisch Verantwortlichen – egal welcher Couleur – stets die veralteten, klimaverseuchenden Strategien abnicken würden. Und sie tun es noch heute, unterstützt von der Judikative – welche Schande!
Der Schöpfer wird Ihnen, RWE-Vorständen, Politikern und Rechtssprechern, Ihre unverantwortlichen Entscheidungen nicht vergeben, denn Sie wissen heute ganz genau, was Sie tun!

Antje: Apropos unverantwortliche Entscheidungen: Mit den Empfehlungen der Kohlekommission, mit der vereinbarten Reduzierung von 3,1 GW hier im Rheinischen Revier, ist es möglich den Hambacher Wald und die Dörfer zu erhalten. Die Tagebaue müssen massiv verkleinert werden, denn auch nach 2022 wird es weitere Kraftwerksabschaltungen geben. Die Dörfer, um deren Erhalt es hier geht, liegen allesamt am Rande der zu verkleinernden Abbaugebiete und können erhalten bleiben.
Nun liegt es an der schwarz-gelben Regierung hier gestaltend aktiv zu werden. Unser Ministerpräsident Armin Laschet war im November letzten Jahres hier, er hat sich angehört, welches Leid die Umsiedlung für Dorfbewohner bedeuten kann und dass sozialverträgliche Umsiedlung in vielen, ja wahrscheinlich sogar den meisten, Fällen gar nicht möglich sind.
Deshalb, liebe Landesregierung von NRW, kommen sie dem Auftrag der Kohlekommission nach: den Dialog mit Betroffenen aufnehmen um soziale und wirtschaftliche Härten zu vermeiden, kann nur eines heißen: Umsiedlungsstopp für alle, die nicht umsiedeln wollen oder können.
Die rot-grüne Landesregierung hat es Ihnen mit der Leitentscheidung 2016 vorgemacht und den Ort Holzweiler gerettet. Jetzt ist es an Ihnen im Zuge des Kohlekompromisses unsere Zukunft nachhaltig zu gestalten und eine Entscheidung zu fällen, die die Bezeichnung historisch wirklich verdient: Retten sie die Dörfer Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich und Berverath, sowie Manheim und Morschenich.
Machen sie diese Dörfer zu Dörfern der Zukunft und erweisen so auch den über 40.000 Menschen, die allein in NRW in den vergangenen Jahrzehnten gezwungen wurden für Braunkohle ihr Zuhause und ihre Heimat aufzugeben, nachträglich die Ehre und Achtung, die sie verdient haben. Sie wurden gezwungen, für die Kohleverstromung große Opfer zu bringen.

Elisabeth und Antje: Wir sagen hier und heute klar und deutlich:
ALLE DÖRFER BLEIBEN, HAMBI BLEIBT

Elisabeth: Kein weiterer Abriss von Dörfern, Häusern, Kirchen und Wäldern, keine Vertreibung mehr von Menschen, keine Zerstörung von gewachsenem Lebensraum, keine Verseuchung des Klimas.

Antje: Apropos Kirchen: Es ist höchste Zeit, dass die katholische Kirche sich schützend vor die betroffenen Anwohner*innen stellt. Immer größer wird die Zahl der Menschen, die entsetzt reagieren, wenn sie begreifen, in welchem Ausmaß der Braunkohle-Abbau mitten in NRW die Umwelt, die Kultur und das Herz der Heimat bedroht und zerstört – und welche Rolle die Bistümer Aachen und Köln und die betroffenen Pfarreien dabei spielen. Die Kirche besitzt Grundstücke, Gebäude und Kirchen. Wahrscheinlich würde auf der neuen Grundlage, dass nicht mehr die Kohleverstromung, sondern der Klimaschutz dem Allgemeinwohl dient, keine Enteignung durch RWE und das Bergamt mehr möglich sein. Daher: verkaufen Sie Ihren Kirchen-Besitz nicht, lassen Sie es auf Enteignungen ankommen, handeln Sie im Lichte der Enzyklika „Laudato si“ des Papstes und schweigen Sie nicht länger zum Thema Braunkohle um den Kohlekonzern RWE zu schützen.
Wir haben dazu die Unterschriftenaktion „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ initiiert. Unterzeichnet mit, die Listen liegen an den Info Tischen, und unterstützt uns, indem ihr in euren Gemeinden weitere Unterschriften sammelt. Infos dazu und die Listen zum download findet ihr auf der Internet Seite: verheizte-heimat.de
In diesem Sinne: Danke für all eure Solidarität und Unterstützung, die nicht heute Abend nach dem Sternmarsch endet.
Heute Abend, wenn ihr alle wieder weg seid, auf dem Heimweg, dann sind die Menschen hier in den Dörfern wieder – mehr oder weniger – allein. Ausgesetzt dem Druck und Psychoterror von RWE. Sicherlich konnten wir Mut und Kraft tanken, die positive Energie, die von euch ausging, öffentlichen Druck ausüben, aber was bleibt?
Ich bitte euch: Lasst nicht nach in eurer Solidarität, unterstützt die „Initiative Alle Dörfer Bleiben“, lasst Spenden hier, wenn ihr könnt, damit die Kosten des heutigen Stern-Marsches gedeckt werden können und die Menschen auch Unterstützung bekommen sich auf rechtlichen Wegen zur Wehr zu setzen: gegen das Unrecht, das hier passiert.
Und, ganz wichtig: Kommt wieder her und erzählt Freunden, Familie, Arbeitskolleg*innen, was Kohleförderung und ungebremste Konzernmacht hier anrichtet. Werdet und bleibt aktiv und wachsam!

Elisabeth: Noch etwas ist mir wichtig: Wir hatten vor 40 Jahren nur wenig Unterstützung; es gab kein Internet, keine sozialen Medien, kein globales Interesse und vor allem nicht eine so kompromisslose, aufgeklärte und mutige Jugend. Diese jungen Menschen, deren Symbol die 16jährige Greta Thunberg aus Schweden geworden ist, lassen sich mit ihren Forderungen nicht mehr abwimmeln, nicht für dumm verkaufen. Sie sind auch nicht käuflich. Und ihr Aufschrei ist auch kein pubertäres Geplänkel, das vergeht – wie es ein Politiker letztens im WDR prophezeite. Sie haben auch keine Angst vor einem Politiker Christian Lindner, der sie mit unglaublicher Ignoranz und Arroganz als Schulschwänzer abwertete. Der Versuch, sie klein zu reden, ist längst gescheitert.
Sie haben gemerkt, dass die abgestumpften politischen Profis es nicht schaffen und auch nicht schaffen wollen. Deshalb nehmen sie selbst das Heft in die Hand, um die Klimakatastrophe noch zu verhindern.
Natürlich kämpft die junge Generation mit Mitteln, die speziell RWE suspekt sind. Diese Mittel werden mitunter kritisiert, aber eine andere Sprache versteht RWE anscheinend nicht.
Ich nenne diesen Kampf notwendigen zivilen Ungehorsam gegen den Wahnsinn Nr. 1 des 21. Jahrhunderts: Vertreibung von Menschen, Verseuchung des Klimas durch die Braunkohle, für deren Abbau es keine Notwendigkeit mehr gibt.

Elisabeth und Antje: Deshalb sagen wir: ALLE DÖRFER BLEIBEN und HAMBI BLEIBT!!!

Elisabeth: Wir danken aufrichtig für die Unterstützung, die wir heute erhalten haben, und hoffen von ganzem Herzen, dass finanzielle Mittel nicht weiter eingesetzt werden zur Manipulation von Menschen, sondern zur Durchsetzung einer Energiepolitik, die die gewachsenen Lebensräume von Menschen und Natur respektiert, schützt und damit erhält.
Jeder muss begreifen, dass dörfliche Strukturen mit dem hemmungslosen Abriss von Häusern und Kirchen, mit der Vertreibung von Menschen und der Vernichtung jeglicher Erinnerung ein für alle Mal ausgelöscht sind und in den neuen seelenlosen Siedlungen auch nicht wieder aufleben, auch nicht durch finanzielle Entschädigungen.
Gewachsene Dorfstrukturen, Nachbarschaftsbeziehungen, Freundschaften, gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen, dörfliche Sicherheit und Geborgenheit lassen sich nicht wieder zum Leben erwecken.
Einen alten Baum verpflanzt man nicht – das gilt für Menschen und für Bäume.

Elisabeth und Antje: Deshalb: Wald und alle Dörfer bleiben!

Antje: In vorderster Betroffenheit steht Keyenberg, hier am Rande der riesigen Wunde, die RWE in die Erde geschlagen hat, am Rande des Tagebaus Garzweiler

Elisabeth und Antje: Deshalb sagen wir nochmals:
Keyenberg bleibt, Keyenberg bleibt, Keyenberg bleibt!

Elisabeth:
Kuckum bleibt!
Berverath bleibt!
Unterwestrich bleibt!
Oberwestrich bleibt!
Lützerath bleibt!

Antje:
Manheim bleibt!
Morschenich bleibt!,
Obertitz bleibt!
Proschim bleibt!,
Pödelwitz bleibt!
Keyenberg, Keyenberg, Keyenberg … bleibt, bleibt, bleibt!!!
Hambi bleibt!

DANKE!

Original: https://hambachfrau.de/ag/alle-doerfer-bleiben-manuskript-meiner-gemeinsamen-rede-mit-elisabeth-hoffmann-heinen-beim-sternmarsch/

+ Solidaritätsadresse der Parents for Future an den Sternmarsch in Garzweiler:

Sternmarsch für den Erhalt aller Dörfer im Rheinischen Braunkohlerevier +++ Tausende Teilnehmende erwartet

Erkelenz. Um gegen die Zerstörung von Dörfern für den Braunkohleabbau zu demonstrieren, ruft die Initiative „Alle Dörfer Bleiben!“ am 23. März zu einem Sternmarsch aus den Dörfern am Tagebau Garzweiler in den akut bedrohten Ort Keyenberg auf. Zur Veranstaltung werden mehrere tausend Teilnehmende aus ganz Deutschland erwartet.

„Mit der Aktion setzen wir uns für den Erhalt aller Dörfer ein. Hier in der Region sind Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich sowie Berverath bedroht. Es kann nicht sein, dass trotz des Klimawandels immer noch Orte für die Kohle abgebaggert werden. Wir setzen uns gemeinsam und entschlossen für den Erhalt aller Dörfer ein. Wir rufen die Menschen auf, sich mit uns schützend vor die Häuser zu stellen.“ so Barbara Ziemann-Oberherr aus Keyenberg.

Ab 14 Uhr starten am Samstag Demonstrationszüge von verschiedenen Orten im Raum Garzweiler und treffen sternförmig in Keyenberg zusammen. Dort findet eine Abschlusskundgebung mit Redebeiträgen von Tagebaubetroffenen, dem ehemaligen Mitglied der Kohlekommission Antje Grothus sowie Schülerinnen und Schülern von Fridays for Future statt. Weitere Programmpunkte sind das Musik-Ensemble „Beets’n’Berries“ aus der Region und eine Ausstellung zu Umsiedlungen und dem lokalem Widerstand. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Mit der Aktion soll auch die schwierige soziale Situation für die Menschen vor Ort thematisiert werden. „Die drohende Abbaggerung ist ein extrem schmerzhafter Prozess für uns. RWE provoziert hier mit gezielten Aktionen eine soziale Spaltung und macht uns das Leben schwer. Wir fordern, dass alle Orte erhalten und lebenswert bleiben, aber die Menschen, die umsiedeln möchten, sollen weiterhin gehen können, ohne einen Nachteil zu haben.“ so Barbara Ziemann-Oberherr weiter.

Ähnlichen Situationen sind auch Menschen im Leipziger Revier und in der Lausitz ausgesetzt. In Pödelwitz und Mühlrose schaffen Mibrag und LEAG bereits Fakten, ohne eine Abbaugenehmigung. Aus beiden Revieren reisen Betroffene an, um sich solidarisch zu zeigen. „Ich bin aus der Lausitz hergekommen, um heute mit den Rheinländer*innen für den Erhalt unserer Dörfer zu streiten. Wenn wir etwas bewegen wollen, können wir das nur gemeinsam. Mir geht es auch darum beteiligt zu werden, wenn über die Zukunft der Regionen verhandelt wird. Wir müssen vermeiden, dass nochmal ein Konzern so viel Macht bekommt, stattdessen brauchen wir vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten für die Menschen vor Ort.“ so Adrian Rinnert aus der Lausitz.

„Alle Dörfer Bleiben!“ ist eine bundesweite Initiative, in der sich Betroffene aller Braunkohle-Reviere mit Aktiven aus der Klimagerechtigkeitsbewegung gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung einsetzen. „Für uns bedeutet Klimagerechtigkeit, dass keine Menschen für die Profite von Konzernen ihr Zuhause verlieren. Weder hier durch die Tagebaue, noch in anderen Teilen der Welt, wo die Folgen des Klimawandels die Lebensgrundlagen der Leute zerstören. Immer mehr Menschen wehren sich gegen diese Zustände: Die Betroffenen der Tagebaue kämpfen dafür, dass ihre Dörfer bleiben und seit Monaten streiken auf der ganzen Welt hunderttausende Schüler*innen für das Klima. Das macht mir Hoffnung.“ erklärt Christopher Laumanns von „Alle Dörfer Bleiben!“.

In den nächsten Monaten sind in allen drei Revieren weitere Aktionen geplant. Informationen zu „Alle Dörfer Bleiben!“ und den weiteren Aktivitäten finden sich unter www.alle-doerfer-bleiben.de.

Auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie die Klima-Allianz Deutschland, der BUND, 350.org und Greenpeace unterstützen die Anliegen der betroffenen Menschen und rufen in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, den Sternmarsch zu unterstützen.

Original: https://verheizte-heimat.de/2019/03/23/solidaritaetsadresse-der-parents-for-future-an-den-sternmarsch-in-garzweiler/

+ Berührender Brief einer Mitorganisatorin des Sternmarsches an einen verunsicherten Bürger von Keyenberg:
Lieber …,

gestern erreichte uns Ihre Mail, für die wir sehr dankbar sind, denn sie drückt Ihre Sorgen und Ihren Ärger aus und gibt uns von Alle Dörfer Bleiben die Möglichkeit, mit Ihnen in Kontakt zu treten. Ich selbst bin in Holzweiler aufgewachsen und in Keyenberg zur Schule gegangen. Berufsbedingt wohne ich mittlerweile in Königswinter. Seit einigen Monaten bin ich bei Alle Dörfer Bleiben aktiv. Alle Dörfer Bleiben ist eine Initiative von Menschen aus den von Umsiedlung betroffenen Dörfern, aus den potenziellen Grubenrand-Dörfern und von Klimaaktivisten. Die Motive der einzelnen Beteiligten sind sicherlich verschieden; während für die einen die Rettung ihres Zuhauses im Vordergrund steht,  engagieren andere sich in erster Linie für einen möglichst schnellen Kohleausstieg. Viele von uns sind seit langer Zeit gegen den Kohleabbau aktiv (einige seit den 80er Jahren) und waren auch bei der Menschenkette dabei. Ich selbst war damals sehr verwundert, dass der Widerstand aus den Dörfern verhältnismäßig gering war, während viele Menschen aus der Ferne die Aktion unterstützt hatten. Ich bin Jahrgang 1964 und stelle mir auch manchmal die Frage, warum der Widerstand über die Jahre hinweg so verhalten war. Dafür gibt es wahrscheinlich viele Erklärungen: zuerst war das Thema noch sehr weit weg, dann gab es in den 80er und beginnenden 90er Jahren zwar Aktionen, die aber nicht zum Erfolg geführt haben. Vielleicht haben sich die Menschen ohnmächtig gefühlt? Ich selbst hatte damals auch auf den Klageweg gehofft, aber auch der half nicht weiter. Zudem gibt es Menschen, die eine größere Neigung zu offenem Protest haben als andere. Wenn ich mir anschaue, wie häufig in Griechenland und Frankreich massiv gestreikt wird und wie zurückhaltend wir Deutschen dagegen sind. So kam Rheinbraun immer näher. Und während die einen sich einigermaßen gut damit arrangieren können, fällt anderen der Verlust der Heimat verdammt schwer. So, wie ich Ihre Zeilen lese, geht auch Ihnen das so. Und mir würde das auch so gehen. Dass der Protest erst jetzt so groß ist, bedauere auch ich sehr. Sie haben Recht, das hätte viel früher passieren sollen. Ein Grund, dass der Protest jetzt größer als damals ist, dürfte das geänderte Bewusstsein zum Klimawandel sein.

Wir von Alle Dörfer Bleiben finden es eine Zumutung (im Sinne von: es wird einem etwas zugemutet), dass Menschen Ihre Heimat für den Kohleabbau verlassen müssen. Noch viel schlimmer wird es, wenn die Notwendigkeit weggefallen ist und man quasi umsonst umsiedeln musste. Und nun ist das Dilemma für alle da, dass die Umsiedlung der Dörfer für die Energieversorgung nicht mehr notwendig ist, dass aber der Umsiedlungsprozess bereits begonnen hat. Das ist bestimmt für viele Betroffene sehr schwer. Nun muss mit diesem Problem umgegangen werden. Aber wie? Aus der Sicht von Alle Dörfer Bleiben sollen  all diejenigen, die sich bereits für eine Umsiedlung entschieden haben, auch noch umsiedeln können. Jedoch soll es keine Zwangsumsiedlungen mehr geben – und dafür treten wir ein.

Wir planen den Sternmarsch schon seit längerem und haben uns darum bemüht, die Menschen vor Ort auch im Vorfeld zu informieren. Dazu wurden Flyer in den Dörfern verteilt und es gab ein offenes Treffen Mitte Februar in Holzweiler, bei dem es die Möglichkeit gab, mit den Organisatoren ins Gespräch zu kommen. Wenn diese Informationen Sie nicht erreicht haben, bedauern wir das.

Zum Sternmarsch werden viele Leute aus der Nähe und aus ganz Deutschland erwartet: Menschen die sich Sorgen wegen des Klimawandels machen, Menschen die für den Hambacher Forst einstehen und auch Menschen aus den anderen Braunkohlerevieren, die dort von Tagebauen betroffen sind. Wir werden an diesem Tag gemeinsam demonstrieren und auch durch Keyenberg gehen. Dabei ist es uns wichtig, dass alle respektvoll miteinander umgehen. Das werden wir auch vorher an die Teilnehmer kommunizieren. Bei den Planungen haben wir bedacht, dass sich Menschen aus Keyenberg gestört fühlen könnten. Daher findet die Abschlusskundgebung an der T-Kreuzung (L277) statt und nicht im Dorf selbst.

Dass das Schulfest in Keyenberg auf den Freitag gelegt wurde war eine Entscheidung, von der wir erst im Nachhinein erfahren haben. Wir bedauern auch das und sehen von unserer Seite aus keinen Grund für die Verschiebung. Polizeipräsenz für eine Demonstration muss für Kinder auch nicht bedrohlich sein wenn man ihnen erklärt, dass es in einer Demokratie ein sehr wichtiges Recht ist, demonstrieren zu dürfen und es die Aufgabe der Polizei ist, dieses Recht zu gewährleisten. Vielleicht hätte es für die Kinder vor dem Hintergrund von fridaysforfuture sogar interessant sein können, wenn ausgerechnet an ihrem Schulfest eine so große Demonstration stattgefunden hätte.

Die Polizei wird am Samstag vor Ort sein, um die Straßen für die angemeldete Versammlung zu sperren. Es ist nicht zu vermeiden, dass Autofahrer an diesem Nachmittag Umwege fahren müssen. Das Ordnungsamt ist dafür zuständig, zu gewährleisten, dass es auch währenddessen Wege für Krankenwagen etc. geben wird. Wie stark die Polizeipräsenz sein wird liegt nicht in unserer Hand. Aus unserer Sicht wären Maßnahmen wie Hubschrauber etc. völlig übertrieben und wir würden auch lieber ohne Hubschrauberlärm demonstrieren. Aber auch das ist eine Entscheidung der Polizei.

Abschließend möchten wir Ihnen gerne anbieten, mit Menschen von Alle Dörfer bleiben ins Gespräch zu kommen. Gerade bei so schwierigen Themen für alle Seiten kommt es bei E-Mails häufig zu Missverständnissen, die in einem Gespräch vielleicht nicht passieren. Wir würden uns also freuen, Sie am Samstag zu sehen.

Für die guten Wünsche danken wir Ihnen. Auch wir wünschen Ihnen und uns einen guten Ablauf der Veranstaltung.

Herzliche Grüße

Rita Rickel

für Alle Dörfer bleiben

Original: https://verheizte-heimat.de/2019/03/22/beruehrender-brief-einer-mitorganisatorin-des-sternmarsches-an-einen-verunsicherten-buerger-von-keyenberg/

+ Pressemitteilung 1 vom 14.Februar 2019

„Alle Dörfer bleiben!“ kündigt Sternmarsch an +++ Einladung zum Basteltreff am Samstag in Holzweiler

Erkelenz. Um gegen die Zerstörung von Dörfern für den Braunkohleabbau zu demonstrieren, ruft die Initiative „Alle Dörfer Bleiben!“ am 23. März zu einem Sternmarsch aus den Dörfern am Tagebau Garzweiler in den akut bedrohten Ort Keyenberg auf. Zur Veranstaltung werden mehrere tausend Teilnehmende aus ganz Deutschland erwartet.

„Mit der Aktion setzen wir uns für den Erhalt aller Dörfer ein. Hier in der Region sind Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich sowie Berverath bedroht. Es kann nicht sein, dass trotz des Klimawandels immer noch Orte für die Kohle abgebaggert werden. Wir setzen uns gemeinsam und entschlossen für den Erhalt aller Dörfer ein. Wir rufen die Menschen auf, sich mit uns schützend vor die Häuser zu stellen.“ so Barbara Ziemann-Oberherr aus Keyenberg.

Ab 14 Uhr starten am Samstag Demonstrationszüge von verschiedenen Orten im Raum Garzweiler und treffen sternförmig in Keyenberg zusammen. Dort findet eine Abschlusskundgebung mit Redebeiträgen von Tagebaubetroffenen, dem ehemaligen Mitglied der Kohlekommission Antje Grothus sowie Schülerinnen und Schülern von Fridays for Future statt. Weitere Programmpunkte sind das Musik-Ensemble „Beets’n’Berries“ aus der Region und eine Ausstellung zu Umsiedlungen und dem lokalem Widerstand. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Mit der Aktion soll auch die schwierige soziale Situation für die Menschen vor Ort thematisiert werden. „Die drohende Abbaggerung ist ein extrem schmerzhafter Prozess für uns. RWE provoziert hier mit gezielten Aktionen eine soziale Spaltung und macht uns das Leben schwer. Wir fordern, dass alle Orte erhalten und lebenswert bleiben, aber die Menschen, die umsiedeln möchten, sollen weiterhin gehen können, ohne einen Nachteil zu haben.“ so Barbara Ziemann-Oberherr weiter.

Ähnlichen Situationen sind auch Menschen im Leipziger Revier und in der Lausitz ausgesetzt. In Pödelwitz und Mühlrose schaffen Mibrag und LEAG bereits Fakten, ohne eine Abbaugenehmigung. Aus beiden Revieren reisen Betroffene an, um sich solidarisch zu zeigen. „Ich bin aus der Lausitz hergekommen, um heute mit den Rheinländer*innen für den Erhalt unserer Dörfer zu streiten. Wenn wir etwas bewegen wollen, können wir das nur gemeinsam. Mir geht es auch darum beteiligt zu werden, wenn über die Zukunft der Regionen verhandelt wird. Wir müssen vermeiden, dass nochmal ein Konzern so viel Macht bekommt, stattdessen brauchen wir vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten für die Menschen vor Ort.“ so Adrian Rinnert aus der Lausitz.

„Alle Dörfer Bleiben!“ ist eine bundesweite Initiative, in der sich Betroffene aller Braunkohle-Reviere mit Aktiven aus der Klimagerechtigkeitsbewegung gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung einsetzen. „Für uns bedeutet Klimagerechtigkeit, dass keine Menschen für die Profite von Konzernen ihr Zuhause verlieren. Weder hier durch die Tagebaue, noch in anderen Teilen der Welt, wo die Folgen des Klimawandels die Lebensgrundlagen der Leute zerstören. Immer mehr Menschen wehren sich gegen diese Zustände: Die Betroffenen der Tagebaue kämpfen dafür, dass ihre Dörfer bleiben und seit Monaten streiken auf der ganzen Welt hunderttausende Schüler*innen für das Klima. Das macht mir Hoffnung.“ erklärt Christopher Laumanns von „Alle Dörfer Bleiben!“.

In den nächsten Monaten sind in allen drei Revieren weitere Aktionen geplant. Informationen zu „Alle Dörfer Bleiben!“ und den weiteren Aktivitäten finden sich unter www.alle-doerfer-bleiben.de.

Auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie die Klima-Allianz Deutschland, der BUND, 350.org und Greenpeace unterstützen die Anliegen der betroffenen Menschen und rufen in einer gemeinsamen Erklärung dazu auf, den Sternmarsch zu unterstützen.

+ Pressemitteilung 2 vom 21. März 2019

Herzliche Solidaritätsgrüße von Parents For Future an den Sternmarsch „Alle Dörfer Bleiben“ !

Wir senden euch unsere kraftvollen und solidarischen Grüße nach Wanlo, Kuckum, Beverath, Holzweiler, Kaulhausen, Erkelenz, Keyenberg und in den Hambacher Wald!

Wir sind ein deutschlandweiter Zusammenschluß von Eltern, Großeltern und weiteren Menschen, die sich in Solidarität mit der Schulstreikbewegung der Schüler*innen Fridays For Future, Mitte Februar diesen Jahres gegründet haben.

Wir haben das Ziel, den streikenden Schüler*innen den Rücken zu stärken in der Auseinandersetzung mit den staatlichen Stellen, mit der Landesregierung von Armin Laschet, mit der Schulministerin Yvonne Gebauer und in den Auseinandersetzungen vor Ort mit den Schulleitungen und Lehrer*innen.

Gleichzeitig stehen wir in Solidarität zu ihren politischen Zielen nach einem ambitionierten Klimaschutz und der Einhaltung des Pariser Abkommens zur Begrenzung der Erderwärmung, nach Einhaltung der nationalen Klimaziele und einem sofortigen Kohleausstieg.

Wir sind solidarisch mit den weltweit streikenden Schüler*innen von Fridays For Future, genauso wie die mittlerweile über 23.000 Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und unzählige weitere Menschen und Gruppen überall auf der Welt.

Über 1,5 Millionen Schüler*innen haben weltweit am Schulstreik am 15.3.19 teilgenommen.

Die Solidarität ist im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos!

Aber wir sind auch solidarisch mit allen Menschen und Gruppen, die an anderen Orten und mit anderen Mitteln und unter anderen Bedingungen dasselbe Ziel verfolgen: Zu streiken und zu kämpfen für einen wirklichen Klimaschutz und weltweite Klimagerechtigkeit, für die Erhaltung unserer aller Lebensgrundlage.

So gilt heute unsere Solidarität den Menschen in den Dörfern Wanlo, Kuckum, Beverath, Holzweiler, Kaulhausen, Keyenberg und Erkelenz.

Wir unterstützen eure Forderung nach dem Stopp aller Tagebaue!

Wir unterstützen euch in eurem Kampf für Klimagerechtigkeit weltweit und gegen die Abbaggerung eurer Dörfer für den Profit des Energiekonzerns RWE.

Wir haben gemeinsam den vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Wald durchsetzen können.

Wir haben dies nur geschafft, durch eine breite, diverse Bewegung; eine Bewegung, die getragen wird von Menschen aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen, in der das Einende unser gemeinsames Ziel der weltweiten Klimagerechtigkeit ist.

Eine Bewegung, die sich zu unterschiedlichen Aktions- und Organisationsformen bekennt und darin ihre Stärke und Kraft begründet sieht.

Mit diesem Ansatz und daraus folgend dem Erfolg des vorläufigen Rodungsstopps im Hambacher Wald, verbinden wir die Hoffnung, dass wir auch gemeinsam und solidarisch, gegen alle Spaltungsversuche, die Kraft entwickeln können, um die weitere Abbaggerung eurer Dörfer zu verhindern und mit den Schüler*innen ihre Forderungen nach ambitioniertem Klimaschutz durchsetzen zu können!

What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!

Parents For Future Germany

+ Pressemitteilung 3 vom 23. März 2019

3000 Menschen demonstrieren gegen die Zerstörung von Dörfern durch RWE +++ „Wir wollen hier bleiben und kämpfen weiter!“

Keyenberg. 3000 Menschen aus ganz Deutschland demonstrieren heute für den Erhalt der Dörfer, die durch den Braunkohle-Tagebau Garzweiler II bedroht sind. Sie folgen der Einladung von Anwohnenden, die in der Initiative „Alle Dörfer Bleiben“ den Sternmarsch organisieren. In acht Demonstrationszügen, den sogenannten „Sternschweifen“, zogen die Demonstrierenden aus Ortschaften im Umland zum Dorf Keyenberg, das als nächstes den Braunkohle-Baggern von RWE weichen soll. Die Initiative fordert, dass alle von der Abbaggerung bedrohten Dörfer und Höfe im Rheinland, sowie im Leipziger Land und der Lausitz erhalten und lebenswert bleiben.

„Es ist unglaublich schön zu sehen, dass Menschen von überall her gekommen sind, um uns zu unterstützen. Wir aus den Dörfern sind dafür total dankbar. Besonders ist für mich auch, wie viele Menschen aus den bedrohten Orten heute mit auf der Straße waren. Durch solche Aktionen fassen immer mehr Menschen Mut, für ihr Zuhause zu kämpfen“, kommentiert Helmut Kehrmann aus Keyenberg vom Bündnis „Alle Dörfer Bleiben“.

„Es ist klar, dass unsere Dörfer bleiben können – das ist mit dem Ergebnis der Kohlekommission möglich. Es ist unmenschlich, wie RWE und die Nordrhein-Westfälische Landesregierung versuchen, uns trotzdem zum Umsiedeln zu zwingen. Wir wollen hier bleiben und kämpfen weiter! Die Dörfer müssen erhalten bleiben. Wer bleiben will, soll bleiben können, und wer gehen will, soll natürlich auch gehen können“, so Britta Kox aus Berverath, das ebenfalls durch den Braunkohleabbau bedroht ist.

Bereits um 5.30 Uhr liefen die ersten Menschen vom rund 35 Kilometer entfernten Hambacher Forst los. Aus Horrem und Mönchengladbach starteten am Vormittag und Mittag Fahrrad-Demonstrationen, aus Hochneukirch, Wanlo und Kaulhausen, sowie den von Zerstörung bedrohten Dörfern Kuckum, Berverath und Immerath zogen Menschen zu Fuß nach Keyenberg. Zu Beginn der Demonstrationen wurden Reden über die Situation in den Dörfern, für einen schnelleren Kohleausstieg und gegen die Klimazerstörung gehalten. Auch Schüler*innen der Klimastreik-Bewegung „Fridays for Future“ ergriffen das Wort und zeigten sich solidarisch mit dem Widerstand in den Dörfern.

Um 16.30 Uhr beginnt vor Keyenberg die Abschlusskundgebung mit Reden von Tagebau-Betroffenen und Kulturprogramm. Es spielen die lokale Band „Beets ‘n‘ Berries“ sowie die Gruppe „Arbeitstitel Tortenschlacht“, zudem bringen Mitglieder von „Alle Dörfer bleiben“ Lieder über die Zwangsumsiedlung auf die Bühne. Der Widerstand zeigt sich auch im Dorf: Eine Installation mit Grabkreuzen und Trauerkranz auf einer Streuobstwiese erinnert an die bereits zerstörten Dörfer des Rheinlands, eine Foto-Ausstellung in der Reithalle Keyenberg erzählt „Geschichten des Widerstands“.

„Die Menschen akzeptieren nicht mehr, dass Konzerne Dörfer, Landschaften und unser Klima für Profite zerstören. Das hat der heutige Tag gezeigt. Die Klimabewegung steht Seite an Seite mit Menschen, die für die Braunkohle aus ihrem Zuhause gezwungen werden. Wir werden weitermachen, bis alle Dörfer gerettet sind“, erklärt Christopher Laumanns aus der Klimagerechtigkeitsbewegung, der ebenfalls bei „Alle Dörfer Bleiben“ aktiv ist. „Ob im Rheinland, im Leipziger Land oder in der Lausitz: Kein Dorf bleibt allein! Wir rufen alle dazu auf, nächsten Samstag zum Waldspaziergang in die Lausitz zu kommen und sich solidarisch zu zeigen.“

„Alle Dörfer Bleiben“ ist eine bundesweite Initiative, in der sich Betroffene aller Braunkohle-Regionen und Aktive aus der Klimagerechtigkeitsbewegung gemeinsam gegen Zwangsumsiedlung und Klimazerstörung einsetzen. In den nächsten Monaten sind in allen drei Regionen weitere Aktionen geplant. Am Samstag, den 30.3. organisiert die Umweltgruppe Cottbus der grünen Liga einen Protestspaziergang am Braunkohle-Tagebau Jänschwalde, zu dem auch „Alle Dörfer Bleiben“ aufruft, am 13.4. wird zum Frühlingsfest „Keinen Meter der Kohle!“ im Dorf Pödelwitz im Leipziger Land eingeladen. Weitere Aktionen im Rheinland sind um den 20. Juni geplant.

Medienecho

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