Gottesdienst in Lützerath am Tagebau Garzweiler durch massiven Polizeieinsatz behindert / Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei Aachen

Erkelenz-Lützerath. (Pressemitteilung.) Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ feierte heute mit ca. 80 Menschen in Lützerath am Tagebau Garzweiler einen Gottesdienst, während die RWE power AG Gebäude in dem noch bewohnten Dorf abreißen ließ. Die Abrissarbeiten wurden begleitet durch ein Großaufgebot von Werkschutz und einer Einsatzhundertschaft der Polizei.
„Als sich eine Gruppe überwiegend junger KlimaaktivistInnen diesem Gottesdienst, die von uns ausdrücklich eingeladen waren, mit vorgetragenem Transparent anschlossen, drangen PolizistInnen von zwei Seiten in die Gottesdienstgemeinde ein. Wir sind bestürzt über diesen Verlauf des heutigen Gottesdienstes,“ berichtet Dr. Anselm Meyer-Antz von „Die Kirche(n) im Dorf lassen“.

Die Theologin Cornelia Senne wurde kurz nach ihrer Predigt von Polizisten umringt, gestoßen und wiederholt auf den Rücken geschlagen. Anderen TeilnehmerInnen erging es ähnlich, sie konnten sich nur mit Mühe auf den Beinen halten. Die Gottesdienstgemeinde wurde schließlich durch eine doppelte Polizeikette getrennt. Die Initiative forderte mehrfach erfolglos eine Erklärung des Einsatzleiters für diese Maßnahme und den Abzug der Polizeikette. Erst nach einer knappen halben Stunde konnte der Gottesdienst fortgesetzt werden.
„Wir protestieren entschieden gegen einen solchen polizeilichen Eingriff in einen Gottesdienst. Der verantwortliche Polizeidirektor Hoff des Polizeipräsidiums Aachen muss diesen Verstoß gegen die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Religionsausübung umgehend erklären“, so Renate Jansen von „Die Kirche(n) im Dorf lassen“.
Dr. Anselm Meyer-Antz betonte: „Die Zerstörung des Ortes Lützerath durch von RWE power beauftragte Firmen ist die Fortsetzung einer zukunftslosen und gefährlichen Klimapolitik, wogegen wir als christliche ökumenische Initiative regelmäßig zu Gottesdiensten vor Ort aufrufen, um uns so bewusst und aktiv mit religiösen Gesängen, Symbolen und Gebeten für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.“
Angesichts der Sinnlosigkeit der Dörferzerstörung, die zuletzt wieder durch das vom Bundeswirtschaftsministerium unter Verschluss gehaltene Gutachten belegt wurde, ist die massive polizeiliche Repression und das Vorgehen gegen den Gottesdienst unverständlich.

Kontakt: die-kirchen-im-dorf-lassen@t-online.de

Twitter: @Kirche_an_Kante (dort auch Bild- und Videomaterial abrufbar)

Weitere Infos: www.kirchen-im-dorf-lassen.de

Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ kämpft für den Erhalt der bedrohten Kirchen im Rheinischen Braunkohlerevier und betrachtet diesen Einsatz als untrennbar verbunden mit dem Kampf für globale Klimagerechtigkeit.

Pressemitteilung der Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“: Der Zerstörung der Dörfer am Tagebau Garzweiler 2021 ein Ende setzen

+++ ABRISS IN LÜTZERATH STEHT BEVOR +++ DRITTER JAHRESTAG DES ABRISSES DES IMMERATHER DOMES +++ STERNSINGERAKTION MIT HÄUSERSEGNUNG IN LÜTZERATH +++

Die christliche Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ kritisiert, dass der Energiekonzern RWE power weiterhin am Abriss von Wohnhäusern im Dorf Lützerath am Tagebau Garzweiler festhält. Die Abrissarbeiten könnten nun jeder Zeit beginnen. Bereits heute Morgen hat RWE mit großem Aufgebot von Security-MitarbeiterInnen erste Abriss-Vorbereitungen getroffen. Erst im Dezember war öffentlich bekannt geworden, dass ein wissenschaftliches Gutachten im Vorhinein zum Kohleausstiegsgesetz unterschlagen wurde, das den Bestand der Dörfer empfohlen hatte. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf die Stellungnahme von Mitgliedern des Aachener Diözesanrates und einiger ev. Superintendenten (https://dioezesanrat-aachen.de/aktuelles/nachrichten/a-blog/Oeffentliche-Erklaerung-zum-Bekanntwerden-eines-Gutachtens-zu-.den-Folgekosten-des-Kohleausstiegs-00001/)
„Der Abriss erzeugt natürlich einen unerträglichen Druck auf die Menschen, die immer noch in Lützerath wohnen. RWE power möchte die Lage eskalieren und Fakten schaffen: erst wird die Straße abgebaggert, dann werden alle Bäume im Dorf gerodet und nun sollen die Häuser abgerissen werden. Ab jetzt droht ein Leben zwischen Trümmern und Schutt“, so Dr. Katharina Kaspers-Siebert von der Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“, die sich für den Erhalt der Dörfer und Klimagerechtigkeit einsetzt. „Bilder des zerstörten Nachbarortes Immerath, dessen imposanter Dom vor drei Jahren am 9. Januar 2018 abgerissen wurde werden nun wieder gegenwärtig. Wir setzen uns ein für eine Perspektive für die Region und die Menschen, die um den Tagebau herum leben, jenseits des zerstörerischen Braunkohleabbaus. Daher verurteilen wir entschieden das Vorgehen von RWE und Landesregierung.“

„Die Kirche(n) im Dorf lassen“ lädt deshalb ein zu einem Sternsingergottesdienst am 6. Januar um 13:00 Uhr in Lützerath, um Aufmerksamkeit für die Situation vor Ort zu erzeugen. „Wir werden von Haus zu Haus ziehen, wie es am Dreikönigstag Tradition ist, um die bedrohten Häuser zu segnen. Wir werden damit ein Zeichen setzen gegen sinnlose Zerstörung, gegen das menschenverachtende Vorgehen von RWE in Lützerath, gegen Umsiedlung und Vertreibung weltweit und für ein solidarisches Zusammenleben. Seit Jahren verweisen die Sternsinger mit ihren Aktionen auf das Problem weltweiter Ungerechtigkeiten und sammeln Geld für Menschen in Not. Mit unserer Aktion wollen wir deutlich machen, dass dieser Einsatz für globale Gerechtigkeit, für Umwelt und Klima bereits vor der eigenen Haustür beginnen muss, also auch etwa ganz konkret am Tagebau Garzweiler.“

Weitere Infos unter: www.kirchen-im-dorf-lassen.de
Mail-Kontakt: die-kirchen-im-dorf-lassen[at]t-online.de
Twitter: twitter.com/Kirche_an_Kante

Über die Initiative:
Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ wurde nach dem Abriss des Immerather Domes 2018 gegründet und engagiert sich für den Erhalt der bedrohten Kirchen im Rheinischen Braunkohlerevier. Diesen Einsatz versteht die Initiative als untrennbar verbunden mit dem Engagement für globale Klimagerechtigkeit.