Trotz fragwürdiger rechtlicher Grundlage fällt RWE erste Bäume für die Rheinwassertransportleitung

In Dormagen-Zons, wo die Trasse für die Rheinwassertransportleitung (RWTL) die Wiesenstraße kreuzt, wurden die ersten gefällten Bäume heute zersägt. AnwohnerInnen fühlten sich dabei nicht informiert, wie wir persönlich vor Ort erfuhren. RWE-Mitarbeitende und RWE-Werkschutz sahen im Gespräch auch die Problematik.
Die aktuellen Baumfällungen zeigen exemplarisch, wie der Bau der RWTL zügig vorangetrieben wird, ohne echte gesellschaftliche Debatte und ohne rechtlich sichere Genehmigung. Bisher wurde diese nämlich noch nicht im Amtsblatt der BR Arnsberg veröffentlicht.
Dass im Auftrag von RWE gesunde Bäume gefällt werden, während viele Anwohner:innen sich unzureichend informiert fühlen, ist kein Kommunikationsproblem, sondern ein strukturelles. Hier werden Fakten geschaffen, bevor die ökologischen und wasserwirtschaftlichen Folgen des Gesamtprojekts überhaupt abschließend geklärt sind. Besonders problematisch ist, dass die Leitung zwar genehmigt wurde, zentrale Fragen zur Einleitung des Rheinwassers in die Tagebauseen, zur Wasserqualität und zu den langfristigen Auswirkungen auf Rhein, Grundwasser, Trinkwasser und Feuchtgebiete aber weiterhin offen sind. Dennoch werden bereits irreversible Eingriffe in Landschaft und Natur vorgenommen.
Ein Blick in das Lausitzer Revier reicht für einen Blick in die Zukunft. Wasserknappheit wird dort durch die Leag nicht beachtet, Wasserverbände und Kommunen, die sich die Reinigung von Trinkwasser nicht leisten können, kurzerhand mit Geld zum Stillschweigen gebracht. (siehe Correctiv Artikel).
Mit der RWTL wird ein Projekt umgesetzt, das über Jahrzehnte massiv in den regionalen Wasserhaushalt eingreift – in einer Zeit zunehmender Wasserknappheit und ökologischer Krisen.
Zons ist damit kein Einzelfall, sondern ein frühes Symptom dafür, wie der Strukturwandel im Rheinischen Revier derzeit organisiert wird: technokratisch geplant, politisch genehmigt – ökologisch und ethisch katastrophal.

(Text & Fotos: Wasserbündnis.org )

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Die Kirche(n) im Dorf lassen: Pressemitteilung zu den Vorfällen während des Gottesdienstes auf der L277 anlässlich der Rodungsarbeiten

Mit Prozession und Gottesdienst auf der zerstörten L277 protestierte am frühen Dienstagmorgen die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ gegen die Baumfällungen durch RWE. Entgegen der Darstellung der Polizei, sie hätten das Verlassen des Ortes und die Angabe ihrer Personalien verweigert, wurde die Prozession mehrfach aktiv an der Rückkehr nach Keyenberg gehindert und ohne Frage nach Personalien in Gewahrsam genommen.

Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ hat am Vorabend der Fällungen an der L277 dort zu einem Gottesdienst eingeladen, zu dem trotz schweren Regens Dutzende Menschen kamen.

„Wir haben den klaren Auftrag, die Schöpfung zu bewahren. Daran hat uns nicht zuletzt Papst Franziskus in der Enzyklika laudato si erinnert,“ so die reformierte Theologin Cornelia Senne.

Am frühen Dienstag morgen ging eine Gruppe von ca. 30 Menschen, eine davon im Rollstuhl, als Prozession mit gelbem Kreuz in Richtung der erwarteten Fällarbeiten. Sie gelangte ohne Schwierigkeiten über Feldwege auf die nicht eingezäunte L277. Begleitet wurde sie aus der Luft von einem Helikopter, vor Ort von je einem Fahrzeug von Polizei und RWE-Security, ohne dass diese eingriffen. Auf der Straße hielt die Prozession Gottesdienst mit Liedern und Lesungen. Ein Mensch aus der Gruppe kletterte auf einen Baum und hängte ein Transparent auf.

Im ersten Tageslicht kamen massive Polizeikräfte, die den Gottesdienst umstellten. Entgegen der Darstellung der Polizei wurden mehrfachen Versuche, den Ort als Prozession wieder zu verlassen, unterbunden. Die Fällarbeiten entlang der Straße hatten inzwischen eingesetzt und näherten sich dem Gottesdienst.

„Wir sangen Hoffnung wider alle Hoffnung. Dabei fielen die Bäume im Minutentakt, wir mussten alles mit ansehen“, berichtet eine Teilnehmerin.

Schließlich nahm die Polizei die Gruppe unter dem Vorwurf des Hausfriedensbruchs in Gewahrsam. Zu diesem Zeitpunkt wurde – entgegen der Darstellung der Polizei – nicht nach Personalien gefragt. An einer improvisierten Sammelstelle wurden dann Personalien erfaßt, die von von den meisten umstandslos abgegeben wurden. Einige allerdings verweigerten ihre ID. Es wurden Platzverweise erteilt sowie Leibesvisitationen vorgenommen – auch an sich ausweisenden Menschen:

„Ich wurde behandelt wie eine Verbrecherin, durchsucht und angefasst. Es war schrecklich“, berichtet eine ältere Teilnehmerin.

Denjenigen, die ihre Identität verweigerten, wurde der Transport in die Gefangenensammelstelle Aachen angekündigt. Allerdings mussten gegen Mittag alle auf richterliche Anordnung freigelassen werden.

Die Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ protestiert gegen solche Behandlung von Menschen, die sich aus christlicher Überzeugung gegen die sinnlose Zerstörung der/von Schöpfung stellen. An der alten L277 wurden am Dienstag innerhalb weniger Stunden Hunderte von Bäumen gefällt. Damit hat RWE nach der „Roten Linie“, der L277 auch die „Grüne Linie“, die sich über 3 km hinziehende Doppelreihe der Alleebäume zerstört, die die Menschen der Region noch vor dem Tagebau geschützt hat.

Wie rücksichtslos RWE mit den Menschen vor Ort umgeht, zeigt der – sicher nicht zufällig an diesem Tag vorgenommene – Abriss des „Kreuzes von Immerath“, das am Samstag am Ort des zerstörten Immerather Domes aufgerichtet worden war. Über hundert Menschen haben dort Messe gefeiert und am Vorabend von Allerheiligen der (umgebetteten) Toten gedacht. Die Predigt sprach von der Zerstörung des Tempels und der Hoffnung auf seinen Wiederaufbau:

„Die Zerstörung und Vertreibung hier in Immerath ist Teil der weltweiten Zerstörung, die uns immer weiter in die Klimakatastrophe treibt. Wir sind als Christinnen aufgerufen, uns dem mit allen Kräften entgegenzustellen.“

Kontakt: www.kirchen-im-dorf-lassen.de