Die letzten Umsiedler von Immerath – eine weitgehend wahre Begebenheit

Hallo und guten morgen.
Habe am Freitag die erste Fahrradtour dieses Jahr über Garzweiler gemacht.
In Immerath blanker Horror. RWE hat hier wohl amerikanische Luftbomben explodieren lassen………
Am Dom dann folgende Begebenheit.
Ich bin an den Zaun, der die erbärmlichen Reste des Doms umgibt, getreten.
Wo ist die Security, dachte ich.
Keiner da, niemand, auch sonst keiner……..
Bin dann abgerutscht, über den Zaun gefallen und direkt an das Domfundament geglitten.
An dem hinteren Fundament hörte ich nun leise Stimmen.
Ach so, doch Leute hier. Schade.
Ich ging dorthin, sah aber niemanden. Bemerkte jedoch, als ich nach unten vor mich blickte, einen freigeräumten Bereich.
Von dort nun wieder leises Getuschel.
Als ich näher heranging wurde mir ganz übel……….
Dort lagen die Gebeine derer, die man dort vor langer langer Zeit zur letzten Ruhe wohl bestattete.
Erst waren nur Umrisse zu erkennen, dann aber ganz klar die sterblichen Überreste von Menschen.
Was machst Du hier, lass uns in Ruhe„, vernahm ich von einem, der dort recht krumm liegend rumlungerte.
Ich erschrak, aber irgendwie war es nicht zum Weglaufen, sondern zum Dableiben.
Setzte mich an den Rand auf die Mauer.
Ich lebe hier, und fahre die Gegend mit dem Rad ab„, antwortete ich.
Und Ihr, warum liegt Ihr hier so nackt und offen, hat man Euch damals nicht richtig begraben?„, fragte ich.
Doch doch, wir wurden direkt an die Kirchenmauer gelegt, weil man ja wusste das Kirchen ein sicherer Ort für uns Tote ist. Dort ist für alle Zeiten ein Platz für uns Tote“.
Auweia dachte ich, die gehen wohl nicht mit der Zeit.
Warum habt Ihr uns hier gestört, warum lasst Ihr uns nicht weiter in Ruhe?„, kam direkt die nächste Frage.
Ich versuchte nun, den Zuhörern die derzeitige Situation zu erklären.
Sie nahmen dies unkommentiert zur Kenntnis.
Was geschieht nun mit uns hier?“, wurde direkt weiter gefragt.
Nun, Ihr werdet wohl wie die Lebenden hier auch zwangsumgesiedelt, also raus aus Eurer Ruhestätte woanders hin.“
Das wollen wir nicht, und das dürft Ihr nicht„, kam es nun mit leicht zorniger Stimme von einem, der augenscheinlich ein recht großes Grab bekommen hatte.
Aber Ihr bekommt dann ein wohlig warmes neues Zuhause, evtl. ganz oben und nicht tief unten wo es so muffig und kalt ist, wo Ihr jetzt seid“.
Nein danke, wir wollen hier bleiben, außerdem liegen wir nun fast 500 Jahre hier, wir verstehen uns gut, und möchten auch in unserem Alter nicht mehr umsiedeln.“
Pah, undankbare Typen hier, dachte ich.
Wenn es richtig gut läuft kommt einer oder mehre von Euch sogar in einen Glasschaukasten, wohltemperiert und dann seid ihr für alle Lebenden gut sichtbar“.
Aber dann würde man uns ja trennen?“
Ja, das ist nun mal bei Umsiedlungen so, aber Ihr werdet sehen, alles wird viel besser wie derzeit, und denkt mal an Euer Alter. Lange macht Ihr es in dem muffigen Loch so nicht mehr“.
Nein nein nein, wir wollen nicht“, kam es nun immer lauter.“Gibt es denn keinen Weg uns zu retten, das wir hier und zusammen bleiben können ?“
Leider für Euch nicht mehr, aber für Eure Verwandten an den anderen Kirchen an denen das gleiche geschehen soll, gibt es Hoffnung. Es gibt Menschen die dieses nicht mehr wollen.
Diese Menschen wollen Eure Totenruhe bewahren. Ich habe aber als einzelner Mensch nicht die Macht die Verantwortlichen zu zwingen dies zu unterlassen“.
Verantwortliche gibt es für unsere missliche Lage hier also, wer sind diese Lebenden, kannst Du uns Namen sagen“?
Ich nannte ihnen einige Namen……………..
Sie verstummten.
In der gesamten Zeit, gut 40 Minuten kam keine Security, kein Passant, kein Auto … niemand.
Einen schönen Sonntag, mit Gruß aus Kuckum
oli

Mahnwache in Erkelenz zum „Jahresgedächtnis“ für den Immerather Dom

Auch ein Jahr nach der Zerstörung des Immerather Doms sind die erschütternden Bilder vom Abriss der Kirche unvergessen – und fressen sich die Schaufelradbagger des Tagebaus Garzweiler mit großer Eile nicht nur auf die inzwischen fast vollständig verlassene und vernichtete Ortschaft zu, sondern sie nehmen mit Keyenberg und Lützerath bereits die nächsten Orte ins Visier.

Schwer, die richtige Art zu finden, den traurigen Jahrestag zu begehen, wo so viel Empörung ist, so viel Traurigkeit, so viel neue Hoffnung – und wo es um einen verlorenen Ort der Andacht geht.

Deshalb laden Anwohner aus den schon verlorenen, aus den noch hoffenden und aus den Dörfern am künftigen Grubenrand am Sonntag zu einer Mahnwache vor dem „Namensvetter“ des Immerather Doms ein, der Lambertuskirche in Erkelenz. Ob es nur ein stilles Gedenken wird, ob es Streitgespräche geben wird oder würdevollen Dialog – man wird sehen.

Die Einladung ist jedenfalls offen und richtet sich von Herzen an alle, die guten Willens sind.

Andacht in Immerath

Mit der Braunkohle fertig werden – das wollen die zahlreichen Teilnehmer des Klimacamps, die sich seit Montag in vielfältigen Workshops und Veranstaltungen mit Themen wie dem Klimaschutz und einer solidarischen Welt beschäftigen.

Mit der Braunkohle fertig werden müssen aber auch die Anwohner am Grubenrand, von denen viele unter dem Leidensdruck der Umsiedlung, der Heimatvernichtung und der Zerstörung gewachsener Gemeinschaften schlicht zerbrechen.

Auch an diese Menschen denkt das Klimacamp und widmet ihnen eine Andacht vor den Fundamenten des Immerather Doms, die ein örtlicher Pastor dort halten wird.

Über zahlreiches Erscheinen würden wir uns freuen. Bringt gern eine Kerze mit.