Flüsse & Bäche im Rheinischen Revier: Das Wasserbündnis lädt zum Mitmachen ein

Wir arbeiten rund um das Thema Wasserhaushalt im Rheinischen Revier, dass heißt wir schauen uns die Befüllung der Tagebaulöcher an, aber auch die bestehenden Bäche und Flüsse. Und da brauchen wir euch!

Aktuell arbeite ich an einer Karte, die Interessantes zu unseren Gewässern erzählt, ihre Quellen und Renaturierungen. Ich kenne leider nicht alle Bäche und Flüsse. Habt ihr Fotos von ihnen? Habt ihr konkrete Geschichten zu Flüssen/Bächen, Sagen oder besondere Erlebnisse? Renaturierungsprojekte oder besondere Tier- und Pflanzenvorkommen?

Ich freue mich über alle Beiträge und Rückmeldungen. Lass uns gemeinsam das Rheinland auf die Karte bringen.

Hier der Link:

https://umap.openstreetmap.de/de/map/flusse-im-rheinischen-revier_127915#14/51.408982/6.318598

Viele Grüße,
Timon vom Wasserbündnis

Zum heutigen Spatenstich: Anwohner kritisieren Rheinwasserpipeline – gefährlich und unrealistisch

Gemeinsame Pressemitteilung von Alle Dörfer bleiben und dem Wasserbündnis: Dormagen. Gemeinsam mit der grünen NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur feiert der Kohlekonzern RWE den heutigen Spatenstisch zum Bau der Rheinwassertransportleitung. Von der Entnahmestelle in Dormagen soll Rheinwasser über eine 45 km lange Pipeline in die Tagebaue Garzweiler und Hambach geleitet werden, um diese in Seen zu verwandeln. Anwohnende befürchten chemische Belastungen der zukünftigen Seen und ihres Trinkwassers und halten die Pläne für unrealistisch.

„Die Versprechungen in den Hochglanzprospekten von RWE klingen natürlich verlockend. Wir machen uns jedoch große Sorgen, dass der Traum vom See zum Albtraum wird. Wer möchte denn schon gerne in der giftigen Gülle schwimmen, die mit Industrieabwässern aus dem Chemiepark angereichert ist?“, meint Antje Bußberg von Alle Dörfer bleiben mit Bezug auf die Tatsache, dass RWE das mit Ewigkeitschemikalien wie PFAS und anderen Giftstoffen belastete Rheinwasser ohne jegliche chemische Filterung in die Tagebaue leiten will.

Der Bau des 25 Meter breiten und 45 km langen Rohrgrabens bedeutet einen massiven Eingriff in die Umwelt und beeinträchtigt auf seinem Weg unter anderem das europarechtlich geschützte FFH-Gebiet im Knechtstedener Wald. Entlang der Pipeline formieren sich daher Proteste von Interessengemeinschaften und Klimaschützern.

„Die Restlöcher zu fluten ist für RWE schlichtweg die billigste Lösung. Alternativen wurden wie so oft nicht geprüft, und am liebsten würde der Kohlekonzern nicht einmal für die Entnahme des Rheinwassers bezahlen“, mahnt Timon Mario Aydin Turban vom Wasserbündnis. „Nachdem RWE gigantische Mengen des Tagebaubodens als Baustoff verkauft und damit die Gruben unnötig vergrößert hat, sollen die Folgekosten jetzt von den Steuerzahlern getragen werden. Das ist zutiefst ungerecht! Ganz zu schweigen von der Frage, ob es aufgrund der ungebremsten Klimakrise in ein paar Jahrzehnten überhaupt noch ausreichend Wasser geben wird.“

Laut aktuellen Planungen sollen pro Jahr etwa 340 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Rhein abgeleitet werden – wenn es nach dem Konzern geht, bis zur vollständigen Flutung der Seen mindestens 60 Jahre lang. Zugleich entstehen massive Nutzungskonflikte um eine Ressource, die durch die Klimakrise ohnehin immer knapper wird. Der Rhein verzeichnet bereits heute regelmäßig Niedrigwasserperioden. RWEs gigantisches Projekt gefährdet darüber hinaus die Trinkwasserversorgung einer ganzen Region, denn das zurückkehrende Grundwasser bringt seine ganz eigene Schadstoffbelastung mit sich. Eine ehrliche Neubewertung der Flutungskonzepte, eine konsequente Anwendung des Verursacherprinzips und die Öffnung für naturbasierte, wasserarme Alternativen sind überfällig. Andernfalls drohen aus den „Seen der Zukunft“ vor allem eines zu werden: teure, durstige und dauerhaft problematische Hinterlassenschaften der fossilen Vergangenheit.

Quellen:
https://correctiv.org/aktuelles/kampf-um-wasser/2026/02/03/wie-die-industrie-den-rhein-mit-unbekannten-stoffen-verschmutzt/
https://correctiv.org/aktuelles/kampf-um-wasser/2026/02/13/chemiecocktail-aus-dem-rhein-koennte-in-bergbauseen-landen/
https://www.bund-nrw.de/themen/braunkohle/hintergruende-und-publikationen/braunkohle-und-umwelt/rheinwassertransportleitung/

Trotz fragwürdiger rechtlicher Grundlage fällt RWE erste Bäume für die Rheinwassertransportleitung

In Dormagen-Zons, wo die Trasse für die Rheinwassertransportleitung (RWTL) die Wiesenstraße kreuzt, wurden die ersten gefällten Bäume heute zersägt. AnwohnerInnen fühlten sich dabei nicht informiert, wie wir persönlich vor Ort erfuhren. RWE-Mitarbeitende und RWE-Werkschutz sahen im Gespräch auch die Problematik.
Die aktuellen Baumfällungen zeigen exemplarisch, wie der Bau der RWTL zügig vorangetrieben wird, ohne echte gesellschaftliche Debatte und ohne rechtlich sichere Genehmigung. Bisher wurde diese nämlich noch nicht im Amtsblatt der BR Arnsberg veröffentlicht.
Dass im Auftrag von RWE gesunde Bäume gefällt werden, während viele Anwohner:innen sich unzureichend informiert fühlen, ist kein Kommunikationsproblem, sondern ein strukturelles. Hier werden Fakten geschaffen, bevor die ökologischen und wasserwirtschaftlichen Folgen des Gesamtprojekts überhaupt abschließend geklärt sind. Besonders problematisch ist, dass die Leitung zwar genehmigt wurde, zentrale Fragen zur Einleitung des Rheinwassers in die Tagebauseen, zur Wasserqualität und zu den langfristigen Auswirkungen auf Rhein, Grundwasser, Trinkwasser und Feuchtgebiete aber weiterhin offen sind. Dennoch werden bereits irreversible Eingriffe in Landschaft und Natur vorgenommen.
Ein Blick in das Lausitzer Revier reicht für einen Blick in die Zukunft. Wasserknappheit wird dort durch die Leag nicht beachtet, Wasserverbände und Kommunen, die sich die Reinigung von Trinkwasser nicht leisten können, kurzerhand mit Geld zum Stillschweigen gebracht. (siehe Correctiv Artikel).
Mit der RWTL wird ein Projekt umgesetzt, das über Jahrzehnte massiv in den regionalen Wasserhaushalt eingreift – in einer Zeit zunehmender Wasserknappheit und ökologischer Krisen.
Zons ist damit kein Einzelfall, sondern ein frühes Symptom dafür, wie der Strukturwandel im Rheinischen Revier derzeit organisiert wird: technokratisch geplant, politisch genehmigt – ökologisch und ethisch katastrophal.

(Text & Fotos: Wasserbündnis.org )

.

.