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Oliver

Ich muss Euch allen eine Geschichte erzählen die mir eben in Immerath passiert ist.

Ich wußte das heute das tolle Haus eines Freundes und ehemaligen Arbeitskollegen zum Abriss eingeplant war.

Hier wollte ich nun ein paar Fotos machen bevor es gänzlich verschwunden ist.

Am Haus angekommen, war der Baggerfahrer bereits fast fertig mit dem „Rückbau“.

Ich stieg aus, hielt die Kamera über Absperrzaun während der seiner Tat weiterbaggerte.

Nun kommts:

Der Helfer der mich sah winkte dem Baggerfahrer zu.

Oweia dachte ich, nun gibt’s wieder Ärger.

Bilder will man ja nicht vom Rückbau.

Der Baggerfahrer und der Helfer kamen zu mir an den Zaun.

Tapfer wie ich bin, bleib ich natürlich stehen.

Nach kurzer Schilderung warum ich denn hier Bilder mache, und einem verständnisvollen Nicken sprudelte es aus den beiden raus.

Ein Türke und Serbe übrigens.

“ Ihr Deutschen seit total verrückt was ihr mit eurem Land macht. So etwas würde es bei uns nicht geben.

Ich bin vor 10 Jahren nach Deutschland gekommen, und kann nicht glauben was hier gemacht wird. Ihr habt nur Geld Geld Geld im Kopf.

Ihr reißt eure Kirchen ab“. Alles schrecklich hier bei euch……………, das war so ein schönes Haus, wenn wir so ein schönes Haus in unserer Heimat hätten…….

Ich sah mich um und dachte an verstecke Kamera o.ä.

War echt geplättet.

So sieht man uns…………………… nur wir sehen UNS nicht mehr…………………

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Luna

Ich habe auf Twitter diese Reaktion zum Brief der Angehörigen von Steffen Meyn geschrieben. Ich wurde darauf hin gebeten euch diesen text ebenfalls zukommen zu lassen. Ich entschuldige mich für Rechtschreibfehler diese dürft ihr gerne Korrigieren wenn ihr mögt, ich habe eine Rechtschreibeschwäche und gerade nicht die Ressourcen ihn gegenlesen zu lassen. Hier der Text:

Ich habe den Brief der Eltern von Steffen Meyn gelesen.

Mein Beileid an die Familie.

Ich finde diesen Brief so berührend und wichtig. Ich wünschte ich könnte mehr tun, als weinen und mich ohnmächtig fühlen. Ich möchte in meiner Aufgewühltheit ein paar Dinge los werden.

Diese Räumung und die kriminalisierung des Kampfes für eine Zukunft, Gerechtikeit und Umweltschutz, hat zu einer Traumatisierung von so vielen Menschen geführt. Durch diesen tragischen Tod und den Umgang damit wird einmal mehr klar, das die Politik rund um Kohle derart Menschenfeindlich und unethisch geführt wird das sogar der Tragische Tod von Steffen nicht zum Nachdenken Anregte. Nicht mal hier wurde versucht wenigstens einen anschein von Respekt und Mitgefühl gezeigt wurde. Es wurde nicht mal versucht zu tun als würde es Reul und Laschet irgendwie kratzen was da passiert ist. Und dies von Politiker_innen die das beste für das Volk wollen sollten, welches sie Gewählt hat. Doch sie entscheiden sich für selbstbereicherung und schützen lieber Konzerninteressen als ihr Volk.

Was im Hambacher Forst passiert ist eine verörtlichung eines Problemes das schon lange da ist. Die Politik ist menschenverachtend, das System so derart absurd und falsch seit so langem, dass nicht mal mehr auffält wie es immer krasser und absurder wird. Wir sind uns diese Absurdität schon gewohnt, wir wissen gar nicht mehr wie wehren, aufschreie werden ignoriert. Nicht mal ein tragischer Tod scheint die Politik zum denken zu bringen. Gegen das eigene Volk das Politiker_innen vertreten in dieser Weise vorzugehen und sie Psychologisch und Physich fertig zu machen, während Wochen ständig menschen in Lebensgefahr zu bringen, zeigt das gar kein Interesse am Volk da ist. Wie kann es sonst sein das so unglaublich viele gute Menschen und ihre Argumente überhaupt kein gehör bekommen? Mir fehlen die Worte zu dem was im Hambacher Forst geschehen ist und auch immernoch geschieht. Ich werde wohl auch nie Worte dafür finden. Weil keiner Worte daführ finden müssen sollte. Weil es unmenschloch ist. Weil so etwas gar nie hätte passieren dürfen! Warum mit solcher Brutalität auf gerade auch junge Memschen losgehen, sie brechen wollen, wenn doch alles wofür gekämpft wird für alle gut ist. Wir befinden uns an einem Punkt, wo wir sofort drastische änderungen vornehmen müssen oder es gibt keine Zukunft mehr auf diesem Planeten. Darum stehen wir auf und wehren uns. Es geht um unser leben. Es geht um das pure überleben! Wofür haben wir eine Regierung wenn sie nichts tut um ihre Menschen zu schützen. Haben Regierungen überhaupt jeh wirklich Menschen genutzt? Waren sozial?
Der Klimawandel und der Schutz unserer Lebensgrundlage und dieses Planeten sollte keine Frage von politischer Position sein. Menschenleben zu gefährden, unser aller Zukunft in den Sand zu setzen für Profit ist keine Politische sichtweise. Es ist eine zutiefst Menschenverachtende und Egoistische denkweise die nicht toleriert werden sollte. Es ist MORD. Es ist kriminell. Ich kann nicht nachvollziehen was in Laschets oder Reuls Köpfen vorgeht. Weil als fühlender Mensch ich nie für das Leiden von so vielen Menschen verantwortlich sein könnte. Ich könnte keine Minute ertragen auch nur irgendwie wem zu schaden. Die Menschen im Hambacher Wald kämpfen für eine bessere Welt, für eine Zukunft. Ich bin nicht mal den Kohlearbeiter_innen gegenüber wirklich negativ eingestellt. Auch wenn ich echt viel Hass abkrieg im Netz gerade und auch vor Ort. Ich seh das Problem aber nicht bei diesen Menschen spezifisch. Ich finde diese Menschen werden angelogen und missbraucht von Menschen in Machtpositionem die sich einen dreck um sie schehren und sie nur Benutzen um sich zu berreichern. Das macht mich so wütend. Wir werden gegeneinander ausgespielt, belogen von Politik und reichen Menschen mit Macht. Auch die Polizei wird hier missbraucht. Falls hier ein/e Polizist_in mitliest: in der Geschichte (z.b. erster Weltkrieg, Februarrevolution) hat oft dann eine Revolution stattfinden können, wenn sich Polizei und Militär nicht mehr gegen das Volk ausspielen lassen liessen und sich dem Protest anschlossen. Ohne den Einsatz von willigen Polizist_innen die mit Gewalt Proteste niederschlagen, sähe die Situation gerade sehr anders aus. Überlegen sie sich, welche Rolle sie in den Geschichtsbüchern übernehmen wollen? Gehen sie und lernen sie „ihren Feind“ kennen. Vielleicht merken sie dann, dass wir nicht ihr Feind sind. RWE ist ihr Feind. Reiche rücksichtslose Menschen und Politiker sind ihre Feinde. Der Hambi will ihnen nichts böses. Der Hambi will ruhe vor ihnen. Der Hambi schaded niemenschen ausser einem Skrupellosen Unternehmen. Sobald in dem Braunkohleabbau nichts mehr zu holen ist, werden wir alle mit der zerstörung leben und sie müssen null verantwortung übernehmen. Hört den Aktivistis zu, wir haben Beweise wie asozial und schädlich RWE für alle ist. ALLE. Wir alle sollten zusammen halten und uns nicht belügen und manipulieren lassen. Reul und Laschet. Treten sie zurück. Sie erfüplen ihren Job nicht. Lesen sie die Verfassung, überlegen sie nochmal wem sie dienen? Dem Volk oder skrupellosen Grosskonzernen?

An alle Aktivistis da draussen. Es ist mir eine Ehre mit euch zu kämpfen! Wir geben nicht auf. Wir sind viele.
UNITED WE STAND.

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Jens Hausner

Ich kämpfe im Mitteldeutschen Revier gegen eine Tagebauerweiterung des Tagebau Vereinigtes Schleenhain. Dieser hat bereits ohne diese Erweiterung eine genehmigte Laufzeit bis 2040. In Zusammenarbeit mit Menschen aus allen Braunkohlerevieren setze ich mich dafür ein, dass die Kohlekommission Beschlüsse fasst, welche Tagebaubetroffene nicht mehr zu Betroffenen zweiter Klasse macht. Es darf keine Enteignungen mehr zum Zwecke des Kohleabbau geben. Alle Dörfer müssen erhalten bleiben. Der Hambacher Wald darf nicht mehr gerodet werden. Kohleverstromung dient nicht mehr dem Gemeinwohl, sondern schadet diesem auf nationaler und globaler Ebene.

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@imageschaden

Was mich verbal-harten Knochen die letzten Wochen zutiefst bewegte:

Menschen im/um den Wald zu treffen, die emotional sehr ergriffen waren, plötzlich wieder Leben in sich zu spüren, Liebe zu anderen Menschen, die sich – wie sie – für eine lebenswerte Welt einsetzen.

Für alle.

Die erstarrt immer dieser komischen Regel gefolgt sind, das nur Arbeit und Konsum wichtig sind, das DAS Freiheit sein soll.
Denen nirgendwo eine Alternative aufgezeigt wurde, und plötzlich standen sie mitten drin.

Denen die Stimme fast brach vor Zittern, und dann hat man sie vorsichtig in den Arm genommen, und sie weinten vor Glück über das Gefühl angekommen zu sein.

Das Gefühl, das wir selbst gestalten können, gemeinsam, für alle.
Das Viele NICHT mehr Karriereratgeber lesen wollen, noch mehr Ellebogen zeigen, um den Job und die Rente zu sichern – und wie mensch sich dafür aufgibt, entmenschlicht.

Für was?
Das Dach überm Kopf?
Das tägliche Essen, die Karre, mit der Du 1,5h täglich allein zur Arbeit und zurück rollst, jeder allein im Stau.
Abends ausgelaugt auf dem Sofa liegst und nur noch Netflix schaffst.

Facebook mit Bildchen und guter Laune befüllst, für Menschen, Freunde, Familie, die Du kaum noch treffen kannst, weil der Chef ja eventuell Überstunden verlangt und Homeoffice nicht erlaubt, weil Du da im Bademantel rumlümmeln könntest.

Weil Dir eingeredet wurde, daß Du halt keine Ahnung hast von den grossen wichtigen Entscheidungen, und Deine Veränderungsvorschläge werden immer zur Kenntnis genommen, aber .. es ist ja alles so kompliziert, das verstehst Du halt nicht!

Und plötzlich stehst Du im Wald, es giesst aus Eimern, und jemensch sagt: „He, pack mal mit an!“ und plötzlich schleppst Du mit 30 wildfremden Menschen unangeleitet einen Baum durch den Matsch und nach 30 Minuten stehen plötzlich 10 Barrikaden!

Einfach so.
Was ja angblich alles nicht geht.

Weil: Sachzwänge.

Und Du popelst den Holzsplitter vorsichtig ausm Daumen und denkst:
„Hm. Geht doch.“
Und wenn ihr das mitnehmt, daß es DOCH geht … das macht mich verdammt glücklich 🙂 Danke dafür
Also: nicht nur der Barrikadenbau, sondern eigentlich geht fast alles, was Du willst 🙂
Lass Dir nicht einreden, Du könntest Dinge nicht beurteilen – geh hin, gucks Dir an, such Dir andere Menschen, diskutiert, bewegt die Welt, wie ihr sie wollt.

Und ganz ehrlichen Dank und Respekt, das ihr über den Schatten gesprungen seid, und hingeschaut habt, ob wir wirklich diese komischen Linksextremisten sind, die die Welt ins Chaos stürzen wollen.

Dagegen anzukommen ist nicht leicht, das wissen wir 🙂

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Das habe ich neulich getwittert, und wurde wieder überrollt von Reaktionen, die sich wiedererkannt haben und genau so empfinden.

Lest gerne hier nach und beteiligt Euch an der Diskussion, wenn ihr mögt:
https://twitter.com/imageschaden/status/1056999900821549058

Und ansonsten gilt Parole #hambiBLEIBT! 🙂

Liebe Grüße,
@imageschaden 😉

P.S.: Und so klingt das als Lied ->
https://www.youtube.com/watch?v=Qol4Llc4ZY0

Also, los gehts 🙂

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Katharina Siebert

Liebe Aktivisten, leider war ich an diesem Wochenende nicht mit dabei, weil ich mich nicht traue, Bagger zu besetzen oder Bahnen zu blockieren. Dafür bin ich zu alt. Aber Ihr seid so großartig – und die Organisation einer solchen Massendemo eine unglaubliche Leistung. Da habt Ihr richtig gute Leute!!! Großartig: Nicht nur, weil Ihr für eine bessere Welt, für Gerechtigkeit und eine gute Politik friedlich demonstriert, sondern noch viel mehr, weil Ihr es trotz so vieler Schikanen und auch persönlicher Risiken tut: trotz Eiseskälte, trotz harter Gewalt, trotz Beschimpfungen und sogar trotz des Risikos zu sterben und aus den Bäumen abzustürzen, so wie Stefan Meyn. Ich hatte in Morschenisch (am Tag der Pflanzaktion) sogar noch neben ihm gestanden und zugehört, als er mit einem Polizisten aus Schleswig-Holstein diskutierte. Er hatte eine ganz ruhige, von der Berechtigung der Bewegung erfüllte Stimme, an die ich mich sehr gut erinnere. Zu dem was Ihr tut gehört sehr viel Idealismus, sehr viel Mut und Kraft – es ist so toll, das zu sehen! Da sage noch jemand, die jungen Leute von heute hätten keine Standpunkte mehr. Ihr habt davon eine ganze Menge, und Ihr setzt Euch mit allem was Ihr habt dafür ein. Und wenn Ihr nichts mehr habt, dann immer noch mit Euren Körpern! Ich bin stolz auf Euch, stolz auf diese Jugend, bin auch stolz, dass ich mit meinen 60 Jahren auf diese und auf jene Weise ein Teil Eures Engagement sein darf. Eine junge Frau sagte: „Wir stehen auf der richtigen Seite der Geschichte“, und sie hat damit Recht. Ihr seid viele, Ihr seid mehr, und ich drücke Euch alle Daumen, dass Ihr weiterhin so viel erreicht. Bei der BUND-Demo mache ich wieder mit.

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Alexander Schulze

Der Einsatz und Mut der Waldretter und Klimaschützer berührt mich!

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Karen Richter

Ich wünsche mir für meine Kinder, dass auch deren Kinder und Kindeskinder noch gefahrlos auf dieser Erde leben können.

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Regina

Vor ein paar Monaten noch unbeteiligt, jetzt angesteckt durch meine Geschwister und Euch, endlich aktiv werden und nicht nur mitlaufen, zu sehen, zusammen können wir etwas erreichen…nicht aufgeben..weitermachen.Danke all den unermüdlichen, besonders den jungen Menschen, die soviel Mut beweisen und für ihre Zukunft kämpfen, für uns alle.

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Tamara

Geboren und aufgewachsen in Düren, hab ich als kleines Kind schon Ausflüge mit meinem Uropa an die Abbruchkante bei Kirchberg gemacht. Damals noch fasziniert, wurde mir über die schwere und leidvolle Erkrankung meines Opas, der über viele Jahre bei RWE gearbeitet hatte, bald klar – da geht doch irgendwas nicht mit rechten Dingen zu. So richtig bewusst geworden ist mir das ganze aber erst jetzt, in meinen Mittzwanzigern. Der Indemann, von mir von Anfang an aufgrund seines ausgestreckten rechten Armes, nur „liebevoll“ „der Metallnazi“ genannt, war dabei der Ausschlag gebende Punkt. Er gab mir so ein Gefühl von Bestechung.

Die folgenden Jahre habe ich mich verstärkt mit dem Thema Politik, Tier- und Umweltschutz auseinander gesetzt. Was folgten waren erst Beteiligungen an Petitionen, dann Teilnahme an Demonstrationen wie zB der „Stop TTIP/CETA“ in Köln und ehrenamtliches Engagement im Tierschutz. Doch erst die vergangenen Wochen und die vielen tatkräftigen Aktivisten haben mich inspiriert, meine Sorge vor strafrechtlicher Verfolgung ab zu legen und mich noch mehr ein zu bringen. Der Höhepunkt dabei war für mich eine Sitzblockade nach dem Waldspaziergang am 30.09.2018. Ich ließ mich von der Energie der Menschen mitreißen und habe erst mit Stämme und Äste zu den Blockaden getragen. Die folgenden Tage war ich stolz auf jeden einzelnen Holzsplitter in meinen Händen. Plötzlich rief eine junge, vermummte Aktivistin irgendwo würde die Polizei aufmarschieren um irgendwas zu räumen. (Ich weiß leider nicht mehr worum es genau ging)

Also sind wir mit ein paar Leuten los gelaufen und haben uns direkt vor der Polizei auf dem nassen, sandigen Boden, der angelegten „Waldautobahnen“ nieder gelassen. Tage danach tat mir noch der Hintern von den aufgeschütteten spitzen Schottersteinen weh *haha* Wir haben gesungen und uns unterhalten. Sehr interessante, lustige Gespräche. Wir haben unser Proviant miteinander geteilt. Viele, wie ich, waren nicht auf so einen langen Aufenthalt im Wald vorbereitet. Später machte irgendwer Musik an und wir standen auf und haben vor der Polizei mit schmutzigen Hosenböden getanzt. Und tatsächlich, wie von uns besungen, haben die Polizisten ihre Helme abgenommen. Der Einsatzleiter hat sich sogar hinreißen lassen ein intensives Gespräch mit einer Demonstrantin zu führen, dem ich und einige andere interessiert gelauscht haben. Dieser Tag war eine Inspiration. Er hat mir gezeigt: Friedlicher Widerstand ist vielleicht nicht legal aber durchaus legitim. Vor allem wenn Industrie und Politik auf unsere (und damit meine ich Aktivisten, Rwe Mitarbeiter, Anwohner und Polizisten) Kosten die Taschen voll machen. Und ich werde mich ihm weiter widmen. Für meinen Uropa, für meinen Opa, für meine Heimat und für meine zukünftigen Kinder und alle weiteren Generationen. Sonst könnte ich mir morgens im Spiegel nicht mehr guten Gewissens in’s Gesicht schauen. Danke dafür.

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C. Gärtner

Ich wohne in Köln. Bin Vater von zwei Schulkindern. Ich habe die Gegend um Buir und den Braunkohletagebau „Hambacher Forst“ vor drei Jahren auf eine eigenartige Weise kennengelernt.
Ich wollte meinen Sohn von einer Geburtstagsparty abholen und habe mich dabei mit dem Auto verfahren. Ich bin versehentlich auf die A4 gekommen und habe irgendwo vor Kerpen versucht die Autobahn zu verlassen und wieder auf der anderen Richtung aufzufahren. Das gelang mir jedoch nicht. Wo laut Navi die Autobahnauffahrt sein sollte, war nur eine kleine gesperrte Landstraße, die ins Nirgendwo zu führen schien. Ich befand mich in einer ziemlich platten Gegend mit Äckern, Feldern und einigen Baumalleen. Bei der verzweifelten Suche nach einem Weg zurück zur Autobahn landete ich in einem kleinen Ort namens Manheim. Hier war der Hund begraben. Der Ort schien wie ausgestorben. Kein Mensch weit und breit. Niemand den ich hätte fragen können, wie ich wieder zur Autobahn komme. Mein Navi führte mich immer wieder auf die gleiche Landstraße und immer wieder landete ich in dem ausgestorbenen Manheim. Mein Navi musste den Geist aufgegeben haben oder es funktionierte in der Gegend einfach nicht. Er war gruselig, genauso gruselig wie das ausgestorbene Dorf.
Endlich – zusammen mit meinem Sohn – wieder zu Haus angekommen, las ich im Internet, dass in dieser Gegend wegen des Braukohletagebaus die Autobahn versetzt worden war. Mein Navi hatte diese unglaubliche Änderung nicht erkannt.
Wieder ein Jahr später erfuhr ich erst von einem Waldwaldstück neben dem Dorf Manheim, dass die Bewohner wegen des Braunkohletagebaus verlassen mussten. Ein ganzes Dorf, voller Häuser die bald abgerissen würden. Ich erfuhr noch viel mehr von dem, was in diesem Landstrich vor sich ging.
Es gab noch viel mehr Dörfer, die die Bewohner aufgrund des „Gemeinwohls“ verlassen mussten. Ich erfuhr, dass die riesigen Wasserdampfwolken, die von meiner Wohnung in Köln Richtung Nordwesten aus zu sehen sind, aus dieser Gegend um Kerpen stammen. Die gar nicht mehr so schönen Wolkentürme sind belastet mit größeren und kleinen Anteilen von Schwermetallen wie dem giftigen Quecksilber, las ich in der Zeitung.
Den Rest des Hambacher Forsts lernte ich auf einem Waldspaziergang von Michael Zobel kennen. Der Teil mit den alten Eichen und Hainbuchen hat mich schwer beindruckt. Die riesigen Bäume lassen sich gegenseitig Platz und streben majestätisch in den Himmel. Junge Leute haben einige der Bäume besetzt. Ich finde nicht alles gut was sie fordern. Ich halte ihnen jedoch zu Gute, dass sie damit experimentieren, hierarchiefrei miteinander umzugehen, und dass sie wirklich bescheiden und relativ naturnah leben. Ihr Einsatz ist bewundernswert.
So bin ich einer geworden, der sich für den Hambi einsetzt. (Auch wenn ich diese Abkürzung immer albern fand). Es geht um den notwendigen Versuch, mit immer weniger fossilen Brennstoffen auszukommen. Technik im Sinne ökologischer Kreisläufe einzusetzen. Es geht darum den Klimawandel aufzuhalten. Dabei müssten wir möglichst viele Menschen mitnehmen. Gerade auch die, die in der Region leben und arbeiten wollen und die Angst um ihre Arbeitsplätze haben. Ich verstehe sie. Unsere Existenz hängt verdammt von unseren Arbeitsplätzen ab, und nicht alle können mit Wenigem auskommen und ohne Planung und Sicherheit leben, wie die BaumbesetzerInnen. Politik sollte die unterschiedlichen Interessen aushandeln und Kompromisse suchen. Wohlstand müsste neu definiert werden, wenn wir Kohlenstoff-arm leben wollen. Soziale Sicherheiten für alle müssten die Unsicherheit, die die Umstrukturierung des Braunkohleabbaus mit sich bringt, abfedern. Dienstleistung, vielleicht sogar Solar- und Windenergie sollte neue Arbeits- und Gestaltungsmöglichkeiten schaffen. Es sieht so aus, als ob diese wichtigen Fragen nach gesellschaftlichem, technologischem und ökologischem Wandel nicht in Köln, sondern in diesen kleinen Dörfern im Umland ausgetragen werden. Es wäre wünschenswert, dass UmweltschützerInnen und Leute, die ehemals SPD-nah waren, miteinander reden und bestenfalls zueinander finden. Wir haben nur eine gemeinsame Erde. Sie ist in diesem Jahrhundertsommer 2018 staubig und trocken und aufgewühlt. Wir lieben sie doch alle. Hoffentlich haben wir uns nicht so sehr verfahren wie ich, als ich das erste Mal in diese Gegend kam.